Da wurden sie wieder geweckt, die Ritter der alten Reichsherrlichkeit, die Bretter donnerten von ihren eisernen Schritten, der Kaiser ritt wieder ins Maifeld, die sieben Heerschilde hielten Wacht, wo jetzt die Zöpfe demütiger Bürger den welschen Zierat der Fürsten bedienten.

Der Spötter von Sanssouci geriet in Zorn über das Stück und hieß es geschmacklos; aber die Jugend schwoll daran auf und schäumte über, als ob jeder Student der Mann mit der eisernen Hand und jeder Bürger ein Nürnberger Pfeffersack wäre.

Werthers Leiden

Indessen der Ruhm und der Lärm seines Götz mit der eisernen Hand Goethe den Jüngling umschwärmten, kam er nach Wetzlar und sollte am Reichskammergericht Rechtspraktikant werden; wo Schönheit und brausendes Leben sein sollte, war Staub und Papier.

Im Elsaß hatte sein Herz gefährlich gebrannt, als er Friederike, die Tochter des Pfarrers in Sesenheim liebte, in Frankfurt fing er zum andernmal Feuer: so kam die Krankheit auch über ihn, die wie der Tauwind im Abendland die jungen Gemüter weich machte.

Ein Genfer Uhrmacherssohn, Rousseau geheißen, hatte das welke Laub von Versailles auf einen Haufen gekehrt und aus dem Kehricht hochmütiger Bildung der Allmutter Natur ein Opferfeuer gemacht.

Alles – so ging seine Lehre – kam gut aus den Händen des Schöpfers, und alles mußte entarten, wenn sich der menschliche Hochmut vermaß, die Natur zu verleugnen: alle Bildung samt ihren Künsten hatte die Menschheit darum nicht so glücklich gemacht wie den Wilden sein Feuer.

Es war die alte Lehre der Einfalt, aber die Einfältigen brauchten sie nicht; und die den bittersüßen Trunk tranken, weil er so feurig gemischt war, tranken sich krank statt gesund an der Sehnsucht.

Die Empfindsamkeit kam in die Welt und war ein gefährliches Gift für die zärtlichen Herzen; als Goethe, der Dichter des Götz, daran krank war, schrieb er die Leiden des jungen Werther und schrieb sich selber gesund.