Napoleon hatte Tirol dem König von Bayern geschenkt; aber – so ging die Rechnung der Hofburg – ein Aufstand der Bauernschaft sollte dem neuen Krieg gegen den Korsen Urgewalt geben, das Volk selber sollte das Land von Tirol für Habsburg befreien.
Andreas Hofer, der Sandwirt geheißen, glaubte den Herren in Wien, weil er ein Mann aus Tirol war; als er wieder daheim saß im herbstlichen Tal von Passeyr, sah seine Wirtschaft seltene Gäste, und als im Frühjahr die Laufzettel das Aufgebot riefen, war er mehr als ein Hauptmann der Schützen.
Am Sterzinger Moos fing er sein Tagwerk an, und als er die Schlachten am Iselberg schlug, machte der Sandwirt sein Wort wahr: Tirol war befreit, und die Herren in Wien konnten den Treueid der Landschaft empfangen.
Sie sparten nicht in der Habsburger Hofburg, die Gesandten der Bauernschaft zu beehren; der Kaiser selber gab ihnen gnädig sein Wort mit, niemals Frieden mit Frankreich zu machen, es sei denn, daß auch Tirol wieder zu Österreich gehöre.
Als aber den Herren in Wien bei Wagram ihr kurzes Kriegsglück fehl ging, als sie von dem Korsen Waffenstillstand begehrten, dachten sie nicht an ihr Wort: die Bauernschaft war von Habsburg verlassen, Bayern, Franzosen und Sachsen rückten mit Übermacht an, den Trotz der Tiroler zu brechen.
Doch hatte der stolze General Lefebvre die Rechnung ohne den Sandwirt gemacht: wieder am Iselberg wurde sein Heer von den herzhaften Bauern geschlagen, und nun war Tirol zum andernmal frei für sich selber.
Der Kaiser saß im Käfig der Hofburg, und auf den Straßen nach Wien ritten die flinken Husaren von Frankreich: so mußte der Sandwirt auf eigene Faust Herzog und Fürst der Bauernschaft sein.
In der Hofburg zu Innsbruck hielt er mit seinen Getreuen dem Land die Regierung; ein Bauernwirt aus dem Passeyr trotzte dem Sohn der Hölle und war die Hoffnung der deutschen Herzen im Reich.
Aber es buntete nur ein Herbst vor dem Winter: als im Frieden zu Schönbrunn das Kaiserwort log, als Habsburg Tirol an Bayern abtrat, als die Übermacht kam von Norden und Süden, war das Glück der Bauernschaft aus.