Dann rückte der Heerbann der Westgoten an, mit dem römischen Kriegvolk vereint der hunnischen Flut zu begegnen: vor ihrem Wall wich das schwarze Gewässer zurück, gleich einem See das weite Becken der katalaunischen Felder mit dem Gewimmel der Pferde und den Wagenburgen der Hilfsvölker füllend.

Anders als sonst eine Schlacht war diese, da Goten und Goten, Franken und Franken einander bekämpften, durch Etzels Willen geschieden in Land und in Flut.

Aëtius aber, der römische Feldherr, war Geisel bei Etzel gewesen und kannte die hunnischen Listen: er hielt den Damm seiner Völker mit unbeweglichen Flanken und ließ vom Morgen zum Abend die Flut der Reiter anschäumen, bis die Brandung erlahmte und der Schaum blutig gerann.

Als schon die Dämmerung sank, kamen die gotischen Mauern ins Schreiten, gewaltige Torflügel drehten sich ein, bis das Blutmeer der hunnischen Reiter in beiden Flanken gedämmt war.

Da half den Hunnen die Unzahl der Hufe nichts mehr, die Nacht hob den gotischen Kriegern die Sterne: das schwarze Gewühl mußte zurück in die Hürde der Wagenburg weichen.

Drei Nächte noch kämpften, so heißt es, die Toten die grausige Schlacht in den Lüften, bis das Blut abfloß in den Bächen der katalaunischen Felder.

Die Lebendigen warfen das Los der Waffen nicht mehr: der gotische Damm stand im Westen, die hunnische Flut fiel zurück in den Osten, daraus sie, die abendländische Welt zu ersäufen, im Frühjahr geflossen war.

Im zweiten Jahr nach der Hunnenschlacht holte Etzel die blonde Hildico heim und starb in der Brautnacht: das Gewässer der hunnischen Scharen gerann, sein Schrecken blieb im Gedächtnis der Völker das Grundwasser unheimlicher Sagen.

Burgund

Von der Weichsel her wehten die gotischen Stürme das Volk der Burgunder gegen den Rhein, wo sie in Worms die Königsburg hatten und den kurzen Traum ihrer Geltung.