Aber der Ostgotenkönig war hörig geworden, ohne Land und Burg in Pannonien Söldling der römischen Grenzwacht; siebenjährig gab er den Knaben als Geisel gegen Byzanz; Theodemir, der selber Geisel bei Etzel gewesen war, dem König der Hunnen.
Edelinge gab er ihm bei, dem Knaben die Lieder der Heimat zu singen, und Hildebrand, daß er ihn lehre, den Jagdspeer zu werfen und das Schwert der Helden zu halten.
Und mußte seiner entbehren, bis der Jüngling einritt im achtzehnten Jahr, mit hellerem Blick und härterer Hand, als einer im Heervolk der Goten.
Da sah er das ärmliche Dasein der Seinen und wie sie ein Söldnervolk waren, indessen der Westgotenkönig Toulouse und Toledo ruhmreich regierte.
Einundzwanzig Jahre war Dietrich alt, da ihn die Goten als König ausriefen; das geschah aber zu der Zeit, da Zeno, der Kriegsmann, den Helm in Byzanz mit dem Stirnband des Kaisers vertauschte und flüchtig vor seinen Feinden die Feldmacht der Goten anrief.
Da kam den Amelungen wieder das Kriegsschwert Zius zur Hand; wie zu Ermanerichs Tagen klangen die Schilde gewaltig, bis Dietrich im Kranz seiner Recken und Mannen als Sieger einritt in das gedämpfte Byzanz.
Zeno der Schlaue wollte ihn fangen mit Ehren und Gold und einem ehernen Standbild, er aber wollte König heißen, nicht Feldherr, Schwertmacht der eigenen Burg und Schildhaber der eigenen Herrlichkeit sein, wartend, wer seiner bedürfe.
Das Knäblein hießen die Spötter den letzten Kaiser von Rom; Odoaker der rugische Söldling, König in Rom und Ravenna hielt ihn gefangen im goldenen Käfig: Odoaker zu beugen, bot Zeno die Gotenmacht auf.
Da wurde der Pfeil in den Köcher gelegt, da sangen die Mannen und saßen die Recken im Sattel, weil Dietrich, der Fürst der Stärke, den Feldzug befahl.
Denn keine Heimkehr stand ihnen im Sinn, als sie im Herbst die julischen Alpen durchritten, als sie das felsige Tor am Isonzo erzwangen, als sie den Boden Cäsars betraten, mit Odoaker, dem rugischen Feind, um die römische Erbschaft zu streiten.