Nie hatte die Welt solches Schlachtfeld gesehen, Jena und Austerlitz, Leipzig und Waterloo, Königgrätz: alles versank vor der Wirklichkeit solcher Vernichtung.

Stirn an Stirn standen die Heere am ersten Tag und maßen die Stärke; am zweiten Tag setzten die Preußen im Süden die Zange; am dritten Tag wollte Bazaine den Abmarsch erzwingen, aber der Feind hielt ihn fest in der Flanke; am vierten Tag grub er sich ein, das Antlitz nach Westen; am fünften Tag hielt ihn der eiserne Griff von Süden und Norden umklammert, bis in die Nacht ging der Kampf; am sechsten Tag saß sein mächtiges Heer in der Festung, und die Festung saß in der Zange.

Mehr Tote als sonst ein Kriegsjahr hatten die Tage gekostet, die Wälder und Wiesen, Brücken und Bäche um Metz lagen voll Leichen, die Dörfer brannten, die Sonne konnte nicht mehr durch den Pulverdampf scheinen.

Da kämpften nicht Feldherrn und Heere um ihren Sieg, da rangen zwei Völker um ihre Stärke: Frankreich und Deutschland trugen den Streit, den Zorn und die Vergeltung aus von einem halben Jahrtausend.

Sedan

Auf den katalaunischen Feldern hatten die Deutschen gedacht, Mac Mahon zu finden; aber er war von Chalons nach Norden gezogen, Bazaine in Metz zu entsetzen; weil aber die deutschen Soldaten zum andernmal schneller marschierten als die Franzosen, gelang es, den Flankenstoß an der Maas abzufangen.

Bei Beaumont geschlagen, mußte Mac Mahon nach Sedan zurück, wo ihn das Schicksal Bazaines schneller und schlimmer erreichte.

Da machte Moltke das letzte Meisterstück seiner Zange; von Osten nach Westen gepackt, wurde das zweite Feldheer des Kaisers nach blutiger Schlacht durch die Tore von Sedan getrieben.

Aber nun war es nicht Metz, die mächtige Festung, mit dem Stachelring ihrer starken Vorwerke, nun war es Sedan mit seinen ärmlichen Wällen, daraus die Feuerschlünde von allen Höhen rundum einen Höllenkessel machten.