Noch war ihr Herz nicht bereit für das wilde Ereignis; aber sie ahnten den Blitz, dessen Wetterleuchten sie sahen, weil ihre Jugend darin war.

Als die Verneinung der Väter war die Vergangenheit über den Drang des jungen Blutes gelegt; wo ein Wunsch war, stand eine Sünde; und wo eine Erfahrung lehrte, wurde ein Wille gebrochen.

Das Leichentuch der Entsagung war über die Wünsche gebreitet; Leidenschaft, Lust, Liebe und Haß, Tapferkeit, Hochmut, Stolz und Verachtung: alles, was in den Herzen der Knaben als kommende Mannheit Macht werden wollte, war in den Wurzeln zerschnitten.

Noch war die dritte Zwietracht ein Schalkspiel im Jahrmarkt, davor die Jugend sich drängte, über das Alter zu lachen; einmal sollte die Lehre des Zarathustra das neue Evangelium sein, im Namen der Jugend die Mannheit ehrlich zu sprechen.

Gottfried Keller

Zur selben Zeit, da den Verkünder des Zarathustra die grausame Krankheit zerstörte, siechte in Zürich Gottfried Keller dahin, der kein Verkünder, kein Fragesteller des Übermenschen, nur ein Mensch, und gar ein Bürger, dennoch ein Jasager war.

Staatsschreiber in Zürich hieß er in Ehren, als Bismarck das neue Reich machte; aber er hatte die alte Zeit lieber gehabt als die neue, weil er ein Eidgenoß, kein Fürstenfreund war.

Die Paulskirche blieb ihm ein hohes Gedächtnis, und manche Männer von damals hießen ihm Freund; ihr Deutschland war seine Schule gewesen, dem Maler zuerst und danach dem Dichter, und dieser Schule dankte er gern.

Denn der ein deutscher Sprachmeister wurde, hatte ein anderes Handwerk zu lernen getrachtet, und mancherlei Lüfte waren dem Schweizer in München, Heidelberg und Berlin durch die Haare geweht, ehe ihn endlich die Heimat als ihren Sohn anerkannte.

Als er Staatsschreiber wurde, sollte das Amt den vielfach gescheiterten Mann retten, es sollte dem Wandervogel das Nest sein, seine Lieder zu singen und seine bunten Träume zu spinnen.