Da stand noch die räumige Burg Dietrichs von Bern und die steinerne Brücke; die blonden Langbärte füllten die Stadt mit dem Lärm ihrer Wagen und Weiber.
In der Burg aber saß der lachende König der Stärke und tat seinen Spruch, daß dies nur der Rest vor Ravenna und der Steigbügel wäre, ins Reich der römischen Pfaffen zu reiten.
Rot rann der Wein in der Burg zu Verona und rief den Übermut wach der tapfer bestandenen Taten; Alboin tat seinen Trunk aus dem silbergerandeten Schädel und bot ihn der Königin dar: sie kannte den Becher, die Tochter des toten Gepiden, sie gab dem König Bescheid und schwur seinem Frevel heimliche Rache.
Der ihr den Vater erschlug und sie zwang zu dem greulichen Trunk aus dem silbergerandeten Schädel, sah den Abend nicht mehr in der Kammer Dietrichs von Bern; sein Waffenträger Helmichis gab ihm den letzten Bescheid, der dann zur Nacht mit der Königin ritt auf der Flucht nach Ravenna.
Sie klagten um Alboins Tod und schwuren ihm blutige Rache; aber sie taten den Ritt nicht nach Ravenna und Rom; sie säumten ihr Reich im Schneekranz der Alpen und füllten das fruchtbare Tiefland, das nun die Lombardei hieß.
Sie ließen Ravenna und Rom, ließen Kaiser und Papst den Zank um die Geltung; sie saßen am Freitisch Dietrichs von Bern, aßen und tranken und hatten die Fülle, wo die Goten den Becher der Bitternis tranken.
Hengist und Horsa
Seefahrer waren die Sachsen, die an der kalten Meerküste saßen; aber ihr Meer war nicht blau, und keine lässige Fülle dehnte ihm wohlig den Strand; donnernd sprangen die Wogen und fraßen sich gierig hinein in das Flachland der Küste.
Sand und Sümpfe trugen die Spuren der Stürme; die Reifriesen raubten dem Frühling die Blüte und rissen dem Herbst die Frucht von den Bäumen; der Wind webte wüst aus der Wolkenwand; die neblichten Lüfte lasteten kalt auf den Weiden.