Dann freilich wuchs ihr Reichtum sich aus zu grünen Inseln, die aus der Tannenwildnis die Sonne saugten und die Wärme stahlen: der Frühling blühte über sie mit anderem Licht, der Sommer reifte Garben wie nie zuvor, und wenn der Herbst kam, hingen die Spaliere von Trauben und Birnen schwer.
Der Sonnensegen flog durchs Land, im Klosterhof zu rasten, ein Wundervogel, der nach der Glocke flog und ahnungsvoll inmitten schwarzer Wälder die grünen Inseln fand.
So wurden Pfründen, wo der Atem der harten Rodung keuchte; Laienbrüder buken das weiße Brot und dienten dem Behagen, das in dem Täfelwerk wohnlicher Kammern auf breiten Stühlen saß.
Die Metten nahmen dem Gebet die Arbeit sacht aus der Hand, und Gott war zärtlich geschützt, wenn er im Kreuzgang trockenen Fußes spazieren ging.
Und fing auch wieder an, die Kunst zu lieben, den Klang der Orgel und den bunten Psalter; lustreiche Farben malten ihm das Haus, und Gläser glühten Feuerglanz im Tageslicht der Fenster.
Auch las er gern in alten Schriften und dachte sich neue Taten aus; er ließ das Wunder blühn mit Rosenranken, daran die Heiligen sich ritzten, ihr Blut zu tropfen: doch war kein Schmerz in ihnen und keine Not um sie, weil die Legende die Himmelsleiter hielt.
Die Legende
Aus Blutbächen rann das Geheimnis der christlichen Lehre ins römische Reich; glühende Roste, gemarterte Leiber, heiße Bekenner und heimliche Gräber webten den Teppich der kirchlichen Herkunft mit brünstigen Farben.
Der Heiligen Leben und Leiden malte im Glauben verachteter Christengemeinden die Bilder der Ahnenverehrung; der Heiligen himmlischer Fürspruch half den zagenden Herzen in einen tapferen Tod.
Um ihre Särge wuchsen die Kirchen der Wallfahrt, und um ihr Gedächtnis wand die dankbare Liebe den Kranz der Legende: ihre Leiden blühten darin mit blutroten Rosen, dornige Ranken ins messianische Wunder zu flechten.