Als aber die Blumen der Lehre, heimlich gesät in die Gärten der Greuel, friedlich aufgingen im Abendland, als die Kirche selber den Garten bestellte, war die Legende nicht still: und ging aus dem blutigen Düster morgenländischer Herkunft ein in die Landschaft der Wälder und Wiesen.

Nicht mehr zur Schlachtbank führte der Heiligen Leiden, aber das rankende Wunder blieb um ihr Leben, nur wurde es grün und statt der blutroten Rosen blühten die Himmelsschlüssel einfältiger Tugend.

Den heiligen Martin drängte sein Herz, der frierenden Blöße des Bettlers den Mantel zu teilen, den Hasen zu schützen vor den scharfen Zähnen der Hunde.

Da war noch einmal das Paradies der Heiligen hold geöffnet: das Wild des Waldes diente ihm treulich, die Vögel der Luft und die Fische des Wassers brachten ihm Nahrung gleich dem Elias, Gewitter und Hagel gingen demütig zur Seite, wenn der Heilige kam.

Und als den verschwundenen Bischof, den heiligen Wolfgang, die Schar seiner Freunde fand in der Wildnis, ihn heimzuführen nach Regensburg: da hob sein Kirchlein sich hinter ihm her, dem täglichen Freund der Einöde zu folgen treu wie ein Hund; bis ihm der heilige Wolfgang weinenden Herzens den Abschied gebot.

Die brünstigen Farben verblaßten, Marter und Buße vergingen im goldgrünen Geheimnis der Wälder, der Wüstensand wurde gütiger Schnee, und Moos wuchs auf den steinigen Wegen, die Seele begann ihr trauliches Spiel um die fremden Gestalten: als die Legende vom Morgenland mit staubigen Schuhen in den tauigen Grund der Wiesen und in den Schatten der deutschen Wälder gelangte.

Der Heliand

Zu Schanden geschlagen war das sächsische Volk durch die Faust des fränkischen Königs, seine Götter waren gewichen ins nordische Land, wo die Wahrzeichen Wodans und Donars noch standen und Saxnot die Seinen beschützte.

Der Gott der lateinischen Mönche war nicht der Gott der sächsischen Seele, und der gekreuzigte Sohn der Maria blieb ihrem Blut fremd, bis ein Sänger der Sachsen daraus den Heliand machte, aller Könige kräftigster und der schönsten Frau herrlichstes Kind.

Da wurde er Wort der Waltenden, ging ein in die Höfe der Freien und hielt den Thing aus dem Recht seiner edlen Geburt.