So trüge die Kirche zwei Schwerter; das geistliche führe sie selber, das weltliche liehe sie aus an den Kaiser und seine Fürsten: Verflucht aber sei, wer das Schwert aufhalte, daß es nicht Blut vergösse!

Das war die Lehre der Liebe nicht mehr und nicht mehr die weise Scheidung, Gott und dem Kaiser zu geben, was Gott und dem Kaiser gehörte: der Pontifex maximus selber wollte Augustus der Christenheit werden, das Mönchtum von Cluny sollte sein Schildhalter sein.

Er nahm dem Priester die Ehe und der Fürstengewalt die Belehnung der geistlichen Ämter: er baute die Kirchenmonarchie, darin der Messias ewiger Herrscher und der Papst als Statthalter Christi der Völker- und Fürstenregent war.

Der Kaiser war noch ein Knabe, der Papst eine geprägte Gestalt, als Gregor der Siebente Heinrichs des Vierten Zuchtmeister wurde, als der Pontifex maximus dem Kaiser das Herkommen kündigte, als der Kampf der römischen Kirche mit dem deutschen Schirmherrn begann.

Ein Knabe als Kaiser, das Reich ein Streitfeld rebellischer Fürsten, an den Wurzeln versehrt im Aufruhr der Sachsen; ein Knabe als König, hochfahrend, leichtfertig, übel beraten: da wagte der Papst den Riß durch den Vorhang der Welt.

Sein Bannstrahl verbrannte dem Kaiser das Kleid, weil er die Fürsten – unlustig und treulos – des Eides entband; im Büßerhemd, barfüßig im Schnee, kam Heinrich der König vor ihn zu Canossa, den Bannstrahl zu löschen.

Da lag dem toskanischen Mönch der salische Trotz zu Füßen, der Schirmherr der Kirche im Staub vor dem Statthalter Christi, der Mond weltlicher Macht des Lichtes der Sonne bedürftig.

Es war im vierten Jahr seines Amtes, als dem streitbar gewaltigen Papst so Stolzes gelang; aber im elften Jahr kam Heinrich als Sieger nach Rom: er hatte die treulosen Fürsten gezüchtigt und ließ sich krönen von Clemens dem Papst, den er sich selber als Schirmherr der Kirche ernannte.

Ob ihn normannische Hilfe befreite aus schmählicher Haft: Hildebrand starb im Exil; das zuckende Herz des römischen Weltrichtertraums liegt in Salerno begraben.