Die Sonne sank unter in brandiger Glut, und der Mond stieg grell in den Raum; die Lehre der Liebe und Weisheit ging auf den Straßen bei Tag und bei Nacht, sie sah den Mond und die Sonne im Wechselspiel steigen, sie wußte beide in Gottes Hand und traute den ewigen Sternen.
Die Kreuzzüge
Der Wüstensand hatte die Lehre Christi verweht, und die Palmen Mohammeds wuchsen im Morgenland: Kalif und Kaiser hatten die Nähte der Welt mit scharfem Schwert aufgetrennt.
Als der Gottesstaat in der Christenheit Macht werden wollte, war er landfremd und seinem Heiligtum fern: Jerusalem war in die Hände der Türken gefallen, am Tor der Zionsburg hielten Ungläubige Wacht.
Aber dann kam der Cid, und der Ruhm seiner Taten sang von dem Ritter, der die kastilischen Christen aus maurischer Herrschaft befreite: das römische Traumglück schwoll auf, die verlorene Hälfte der Welt neu zu gewinnen, im Abend- und Morgenland wieder die alte Roma zu heißen.
Ein Jahrtausend war die Christenheit alt, da sie aufstand im Zeichen des Kreuzes, da die Kirche des Friedens als Schwertmacht zu gelten verlangte; der Einsiedler Peter von Amiens ritt vor ihr her auf dem Esel, einen verdorrten Ölzweig des heiligen Landes in der fanatischen Hand.
Noch einmal schienen die Völker Europas zu wandern: raubfahrende Haufen zuerst, durch die Länder hinbrausend wie Heuschreckenschwärme, die Juden erschlagend; danach die Heere der Ritter mit unendlichem Troß und der bunten Vielheit der Trachten.
Ein Tropfen Tollheit fiel in den Trank und schäumte auf in den Lüsten der drangvollen Zeit; den Rittern winkte der Ruhm himmlischer Minne, den Fürsten Ländergewinn, Abenteuer den Knechten und Raub dem Gelüst zuchtloser Scharen: allen der Ablaß jeglicher Schuld.
Zweihundert Jahre lang schäumte der brünstige Wahn, der Friedrich, den schwäbischen Rotbart, im Saleph ertränkte, den Deutschen das Reichsschwert entwand und Rom von dem lästigen Schirmherrn der Kirche befreite.