Dann freilich ging sie ins Kloster, doch nicht um zu büßen und bang ihr Seelenheil zu besorgen: trauernd um ihren Gatten blieb sie die sorgende Mutter des sächsischen Landes.
Sie sah die harte Herrengewalt und wie das niedere Volk seufzte, sie sah die Roheit der Sitten und wie die ruchlosen Händel der Grafen die Höfe der Bauern verbrannten, sie sah die Bischöfe selber das wilde Waffenwerk tun: sie aber wollte dem Evangelium demütig dienen.
Sie baute Klöster rund um die sächsische Burg, sie legte den Teppich der Heiligen aus und trug das Kreuz in die Hütten: sie gab der kirchlichen Sendung in Sachsen die Einfalt und Stärke der ersten Christengemeinde.
Heinrich der Finkler baute das Haus, darin die sächsische Kaisermacht wohnte; sie gab ihm die Sitten.
Otto, Sohn der Mathilde
Ihm war eine reiche Wiege bereitet: Kraft und Ehre standen dem Sohn Heinrich des Finklers zu Häupten, Liebe und Zucht lagen dem Knaben Mathildens zu Füßen, der edlen Fürstin in Sachsen.
Als sie ihn krönten zu Aachen im Kaisersaal, war Otto ein Jüngling; aber die Sterne der Macht standen ihm zu, und er ließ die Sterne freudig gewähren.
Die Herzöge kamen, das Erzamt der Krönung zu üben; die Kirche brachte das Öl, ihn zu salben; die Schwerter der Grafen hielten die Ehrenwacht; das drängende Volk sah den Glücklichen sitzen im Prunkmantel karolischer Herrschaft.
Aber das böse Jahrhundert karolingischer Händel hatte der großen Gewalt die kleinen Gewalten geboren: die ihm die Erzämter dienten, mußten erst seinen Willen erfahren, nicht nur im prunkvollen Fest seiner Krönung König der Deutschen zu heißen.
Denn noch waren die Deutschen kein Volk; aus dem Streit der Stämme waren die Händel der Großen geworden, aus dem Neid der Sippen der Stegreif machtlüsterner Grafen: die Ohnmacht des Reiches stak in der Vielheit lahmer Gewalt.