Der Herzog von Sachsen mußte sich erst Gehorsam erzwingen, als König und Herr der deutschen Stämme im Recht seiner Krone zu schalten.
Das eigene Blut warf ihm den bösesten Trotz vor die Füße: Heinrich, der jüngere Bruder, bestritt ihm die Erbschaft, weil er ein rechter Königssohn war, und Otto war noch der Sohn des Herzogs von Sachsen.
Drei Jahre lang trotzten die Schwerter am Rhein und in Schwaben, in Sachsen und Bayern; alle Gewalt der Großen und Kleinen, die dem sächsischen Königtum feind war, verband sich dem Aufruhr des Bruders; Friedrich, der Bischof von Mainz, trug die Fackel.
Denn die fränkische Priesterschaft blieb der Todfeind der neuen Sachsengewalt; die Kirche ließ keine Königsmacht gelten, der sie nicht selber der mächtige Hausmeier war.
Wie ein Seefahrer seine Schiffe kühn an der fremden Küste verbrennt, ließ Otto dem tapferen Billung sein Herzogtum Sachsen, wider den Hochmut der Herzöge, wider den Trotz der Grafen und wider die Feindschaft der Kirche das deutsche Königtum zu erringen.
Drei Jahre lang klangen die Schwerter im Bruderstreit, wie sie um Siegfried und Hagen, um Dietrich und Odoaker klangen; aber der Siegespreis sollte das trotzige Bruderherz sein.
Denn nicht mehr schürten Brunhild und Kriemhild den Brand mit dem Haß ihrer unholden Seelen: Mathilde, die sächsische Mutter, wollte das trotzige Blut ihres Leibes in Liebe erlösen.
Und weil ihre Liebe nicht abließ, gelang ihr zuletzt die Versöhnung: Heinrich, der hochfahrende Sohn der sächsischen Königsmacht, beugte sich seinem stärkeren Bruder, der ihm großmütig verzieh.
Aber der König hatte das Schwert, nicht das Herz seines Bruders bezwungen; und mehr als die Schärfe weckte der Großmut den Haß: Meuchelmord sollte den Streit der sächsischen Brüder beenden.
Als dem König der Anschlag entdeckt war, wallte sein Zorn: in strenge Haft kam Heinrich, der Bruder; alle Verschworenen büßten den Mörderplan vor dem Henker.