Da endlich siegte Mathilde, die sächsische Mutter: als Otto der König im Kreis seines starken Gefolges zu Frankfurt am Main die Christmesse hörte, war Heinrich entflohen aus seiner Haft, aber nun fand er den Weg nicht mehr zu den Feinden.

Weinend warf sich der trotzige Jüngling dem König zu Füßen; Otto vergaß die harmvollen Jahre und küßte den Bruder; er brach seinen Groll mit zärtlicher Liebe und gewann sich den treuesten Freund.

Otto der König

Im vierzigsten Jahr seines reisigen Lebens ritt Otto hinaus aus dem Tor seiner Väter; der im Ruhm seiner Stärke der mächtigste Fürst im Abendland war, zog über die Alpen, Adelheid die lombardische Erbin zu freien und selber die Mitgift zu holen.

Er brachte Adelheid heim und grüßte den Papst aus der Ferne; er ließ die Mitgift zurück und war schon zum Winter wieder in Sachsen, weil ihm der Nordwind bedenkliche Botschaft zuwehte.

Wohl stellte der Ruhm seiner Stärke eine Mauer um seine Macht, aber der Groll gedemütigter Großen lag in Trümmern davor; während Otto der König das Glück seiner Tage genoß, scharrten eifrige Hände sein Unheil.

Noch einmal hob der Aufruhr der lahmen Gewalt die treulosen Schwerter; Slawen und Ungarn, die Erbfeinde kamen, gerufen von seinen Feinden; die Grenzmarken brannten.

Aber den König hob keine Furcht in den Sattel; sicher und rascher als ihre bösen Bedenken ritt er den Aufruhr der Fürsten zuschanden: das böseste Jahr seiner Gefahr gab ihm den günstigsten Sieg.

Denn nun kam endlich der Tag, da ihm die Reichsfahne wehte, da auf dem Lechfeld Sachsen und Franken, Schwaben und Bayern vereint den Erbfeind bestanden.

Da half den hunnischen Räubern nicht mehr die Masse der reitenden Scharen, nicht mehr die hurtige List und nicht mehr die Kunst ihrer Waffen: die Deutschen besiegten den Schrecken und wollten die Plage des Reichs einmal beenden.