Sie trieben das schwarze Rattengezücht in die Enge, sie schlugen es tot und brannten die Nester aus, wo sich die Reste versteckten; und waren so schnell und scharf, sie zu verfolgen, daß ihnen kaum einer entrann.

Als die Sieger vom Lechfeld heimritten, die Großen und Grafen im Jubel der Völker, trug ein langbärtiger König die Krone: in Aachen belehnt mit der Ehre, im Ruhm seiner Taten bewimpelt, im Glanz seines Glückes bewährt, war Otto König der Deutschen und Herrscher in all ihren Ländern.

Otto der Kaiser

Was in Aachen nur Festglanz gewesen war und prunkender Schein, war auf dem Lechfeld Wahrheit geworden: Otto war König der Deutschen und hielt seinen Hof auf den Pfalzen des Landes, er saß zu Gericht über die Großen und Grafen, und alle Schwerter des Reiches mußten ihm Heerfolge leisten.

Aber der König dachte zurück an die Zeit der Verschwörung, da ihn die Großen und Grafen verrieten, auch die seines Bluts waren; er sah, daß die Hausmacht der Fürsten dem Königtum feind war, und daß ihre Selbstherrlichkeit wider die Landesgewalt lockte.

Der ihm am treuesten half, und der ihm am sichersten beistand in den vergangenen Nöten, war Bruno, der dritte und jüngste der Brüder, Erzbischof in Köln; so wuchs seinen Sorgen und Plänen ein anderes Königtum zu als seinem Vater, gebaut mit den Balken der Kirche:

Der Bischof verdankte sein Amt der Kirche, aber sein Lehen der Königsgewalt; er war nicht in die Herrschaft geboren und brauchte den Schirmherrn gegen die Großen und Grafen.

Kirche und Krone vereint konnten die Fürstengewalt brechen; Kirche und Krone konnten einander den ewigen Bund schwören; Kirche und Krone konnten die Wurzeln geeinigter Macht in die Herzen der Völker versenken.

So dachte Otto der König, der selber durch seine Mutter Mathilde den Lehren von Cluny zugetan war; so grub das sächsische Schwert einen neuen Brunnen des Rechts für die deutsche Königsgewalt.

Denn Otto der Sachse war nicht mehr wie Karl der Franke Zwingherr der Deutschen, er hatte kein Herzogtum mehr und hielt keinen eigenen Hof wie jener in Aachen; er war gewählt durch die Fürsten und Völker der Deutschen und konnte als Wahlkönig nicht mit dem eigenen Schwert allein regieren.