„Sie ist Schauspielerin am Stadttheater. Eine Protegé meiner Mutter.“
„Achtzehn.“
Ich sah, daß man im Speisezimmer die Stühle an die Wand schob und den Teppich aufrollte. Ich blickte zerstreut an den Gobelins hinauf, deren streitende Helden sich in übermenschlichen Triumphen und Schmerzen gegenüberstanden. Wolfgang sprach noch, aber ich verstand nicht, was er eigentlich sagte. So, so ... so ... sie hieß Nina, ... welch ein süßer Gleichklang in ihrem Namen, ... welch ein Duft von ihrem Haar, ... ich begann Kopfschmerzen zu bekommen, ... wie zärtlich Wolfgang zu ihr hinblickte ...
„Du liebst sie ja!“ sagte ich laut und wußte nicht, ob ich wirklich gesprochen hatte.
Wolfgangs Antlitz sah plötzlich aus wie überströmt von Blut.
„Was sagst du?“
Frau Seyderhelm stand neben uns und unterhielt sich mit dem geistlichen Herrn. Frau Seyderhelm stand sehr gerade da, sprach achtungsvoll, mit verbindlich zur Seite geneigtem Haupt, gebrauchte sehr oft die Anrede: Herr Pastor und hatte zu gleicher Zeit ein etwas mitleidiges Lächeln um den Mund, da der geistliche Herr verlegen war und nicht ganz ungezwungene Bewegungen zeigte.
„Und morgen gehen Sie auf ihr Rittergut, meine liebe gnädige Frau?“ fragte der geistliche Herr.
„Ja, stellen Sie sich vor, Herr Pastor, – dieser Trubel! Alle Koffer sind schon gepackt ... es ist ja immer wie ein Umzug! ... Aber Wolfgang tut das Landleben so wohl ...!“