Als ich durch Strelow kam, läutete die Glocke den Abend ein. Ich blickte durch ein Fenster; ein alter Bauer saß da, hatte die Brille auf der Nasenspitze und las in einer Zeitung. Eine Frau trug eine Bank in ihr Haus. Der Pfarrer ging durch den Ort und ward von allen gegrüßt; auch ich grüßte. Ein Trupp Jungens lief zu Gott weiß welchem Abendstreifzug ...
In einigen Zimmern brannte ein Licht. Sollte ich hier rasten? Es begann zu dunkeln. Draußen konnte ich nicht gut schlafen, der Boden schien feucht, auch war es ein wenig kühl. Aber die Lichter in den Häusern machten mich traurig, und ich fühlte, daß mich im Zimmer wieder meine Angst ergreifen würde.
Ich eilte zum Dorf hinaus. Allein bei den letzten Häusern blieb ich beklommen stehen: über die Landschaft hatte sich die Dämmerung gesenkt und mit tiefem, dunklem Blau die gespenstischen Bäume, das Weidengesträuch an den blinkenden Teichen und die Getreidefelder umhüllt; von oben leuchteten durch blaues Licht einige Sterne; nichts unterbrach die Stille als das trostlose Quaken der Frösche und das Flüstern des Kornes, wenn der Wind darin rauschte.
Ich ging durch die Dämmerung und fühlte mich liebevoll von der Straße fortgelockt, umsponnen mit einem blauen Netz. Ein Traum von großer Innigkeit berührte mich, mir war, als sei er alt und von jedermann zu irgendeiner Zeit geträumt. Um meine Augen legte sich ein Flor, meine Füße strauchelten oft ...
‚Könnt’ ich doch viele Stunden dieses blaue Licht durchschreiten! Wenn nur die Füße nicht ermüden wollten ...!‘
Aber ach, schon winkten ja am Wegesrand nächtliche Kastanien zu Schlummer und Traum! ... Ein Park begann, umgittert, ... eine Allee ... Und hier, – waren hier nicht bronzene Löwen, die in dreifach geteilte Becken silbernes Wasser spieen? War es nicht einschläfernd und süß?
Wie, stand dort nicht ein Haus vor mir, ein Schloß, mit einer erleuchteten Altane und bläulich schimmernden Stufen?
Bin ich nicht neugierig herangeschlichen, ... leise, ... ganz leise, ... und sah ich dort nicht all die Menschen, die ich liebte? ... Die Mutter ... mit dem Sohn ... und meine schöne Freundin Nina?
8
Mit pochendem Herzen und heißen Wangen stand ich im Dunkeln und blickte auf die Veranda. Nina arbeitete an einer festgespannten Stickerei und sprach dabei mit Wolfgang, der die Hände um ein Knie geschlungen hatte, eine Zigarette rauchte und zeitweise aus einem Glase trank. Frau Seyderhelm schrieb einen Brief. Manchmal hob sie den Kopf und warf einige Worte in die Unterhaltung der beiden ein. Ich konnte nicht verstehen, was gesprochen wurde.