Ich sah Ninas Profil und ihre Hände. Wie zart sie war! Ja, war sie nicht anbetungswürdig? Süße Nina! ... Ich machte eine Bewegung.

Da rief Nina laut:

„Wolfgang, ich bitte dich, – draußen steht jemand.“

Ich hielt den Atem an.

‚Wenn ich hier entdeckt werde, ersteche ich mich.‘

Wolfgang beugte sich hinaus und rief:

„Es ist niemand hier ... Du bist recht schreckhaft!“

O – gerettet!

Frau Seyderhelm hatte ihren Brief beendet, man plauderte angeregt. Ich sah, wie die Mutter einmal ihrem Sohne lächelnd mit dem Finger drohte. Nach einer Weile legte Nina ihren Stickrahmen fort, packte ihre Nähsachen in einen Pompadour und stand auf. Sie gab erst Frau Seyderhelm die Hand, dann wechselte sie einige Worte mit Wolfgang, – sie schienen etwas zu verabreden, – ließ ihre Hände auf seinen Schultern ruhen, gab ihm einen leichten Backenstreich und trat in die Zimmer hinein. Wolfgang küßte seine Mutter, die ihm über das Haar strich; mir war, als sprächen sie von Nina, denn sie sahen nach der Türe; dann gingen beide hinaus. – Eine Magd erschien einige Augenblicke später auf der Veranda, räumte die Sachen auf, zog die Markise in die Höhe und stellte die Gartenmöbel zur Seite. Sie nahm die Lampe und verschwand.

Alles war finster um mich herum. Oben im Schloß sah ich mehrere erleuchtete Fenster. Ich hörte zuweilen Schritte, dann wurde alles still.