„Prost, Walter! Du kennst unsern Stil noch nicht. Wir leben nämlich hier den Stil englischer Peers. Morgens you take your steak,“ – er bediente sich hierbei einer manirierten Aussprache, – „mittags hungert man, das nennt man luncheon und abends ißt man im dinnerjackett alles das, was man am Mittag versäumt hat. Das hat Nina hier so eingeführt.“
Nina, immer Nina!
Ich fragte unvermittelt:
„Aus welcher Familie stammt sie eigentlich? Hat sie noch Eltern?“
Wolfgang warf nachdenklich zwei Stück Zucker in seine Teetasse.
„Weißt du, bei Nina muß man nicht fragen, woher sie kommt und wohin sie geht. Nina ist einfach da, – verstehst du? – einfach da.“
Ich sah Wolfgang aufmerksam an. Schau an, dachte ich, wie klug er ist! Was er da eben gesagt hatte, war mir nicht fremd. Nina war einfach da, ... sie war eigentlich ... seelenlos.
„Sie ist eigentlich seelenlos,“ sagte ich.
Wolfgang trank seinen Tee. Er stöhnte einige Male wie ein Kind in die Tasse hinein, setzte sie dann ab, sprang vom Tische auf und sagte:
„Jawohl, seelenlos, aber herrlich! – Bist du fertig?“