Hab ich die Brust dem Donnerkeil entblößt,
um endlich mit geschundenem Körper, blau und naß in die Kleider zu steigen und gedrückt, traurig und fast ein wenig weinerlich über die eigene Narrheit im dunkelnden Nachmittag seinem Hause zuzuwandeln. In seinem Zimmer fand er dann bereits die Dämmerung vor, die vom Laternenschein am Fenster in zerrissenen Stücken erhellt war. Während vom unteren Stockwerk eine musikstudierende junge Dame ihre gleichmäßigen und süßen Variationen und Fugen erklingen ließ, schickte er sich an, den Tee zu bereiten und die Pfeife in Gang zu bringen. Von wundervollen Gefühlen überschlichen ließ er sich in einen Sessel nieder, eine angenehme Wärme durchströmte seinen Körper und seine Augenlider wurden schwer von Träumen. Aber sein der Wirklichkeit ebenso leidenschaftlich wie der Phantasie zugetaner Sinn richtete ihn bald aus seinen Träumen empor. Er setzte sich an den Schreibtisch, schlug seine Schulbücher auf und arbeitete, ohne seinen Gedanken eine Ablenkung zu gestatten, ernst und streng bis zum Abend.
3
Die letzte Unterrichtsstunde vor den großen Ferien war beendet. Plötzlich, ja scheinbar ganz ohne Zusammenhang begann man ungeheuer laut und angeregt zu reden, man lachte, sah einander in die Augen, schüttelte sich die Hände, und ein jeder wünschte dem andern in weitschallenden und überaus herzlichen Zurufen einen fröhlichen Sommer.
Ich stand wie immer abseits. Mir ward bei all dieser Freude, die wie ein heller Strom an mir vorbeifloß, ein wenig bedenklich zumute.
Ich nahm zerstreut meinen Strohhut vom Kleiderriegel und betrachtete mit Interesse meine Stiefelspitzen.
‚Jawohl,‘ dachte ich, ‚ich kann mir gut heute Nachmittag ein Paar neue Schuhe kaufen. Morgen reise ich ja fort. Wohin eigentlich? In meine Heimat? Zu meinem Vater? Er kreuzt mit seiner Jacht auf den nordischen Gewässern in Begleitung der schönen Anny Döring, und er hatte in seinem letzten Brief die Einladung für mich wohl vergessen, ... eigentlich hatte er einen ausgezeichneten Brief geschrieben, einen höflichen, zurückhaltenden und etwas frivolen Brief, und beigefügt war eine Bankanweisung von erstaunlicher Höhe. Jawohl, so war mein Vater. Übrigens war er ein vortrefflicher Herr.‘
Ich schickte mich an, den leeren Schulkorridor zu verlassen, als ein blonder, vornehm gekleideter Knabe auf mich zutrat.
Da er mein abweisendes Gesicht bemerkte, blieb er zögernd stehen und senkte die Augen. Darauf glitt ein Lächeln von großer Anmut über sein Antlitz, gleich als sei er über die eigene Schüchternheit belustigt.
„Meine Mutter und ich, wir würden uns sehr freuen, ... das heißt, wenn du Lust hast ...“