Gegen Abend spielten wir Tennis.

Nina war biegsam, schmal in den Fesseln und schnellfüßig. Ihre Hand war sicher, der Schlag ihres Rackets ruhig.

Wolfgang, ihr Partner, war weißgekleidet, hatte den rechten Ärmel seines Hemdes aufgeschlagen und zeigte einen braungebrannten, schmalen und kräftigen Arm.

Ich gab streng auf das Spiel acht und hatte den brennenden Ehrgeiz, mich gut zu halten. Ich verlor das erste Match, trat beim Wechseln an das Netz, beglückwünschte Nina und küßte ihre Hand. Wolfgang sah mich ein wenig befremdet an. Nina lächelte, war unendlich liebenswürdig, legte einmal beim Gespräch ihre Hand auf meinen Arm und nannte mich Walter. Ich war rasend vor Glück, machte ein hochmütiges Gesicht und verdoppelte meine Anstrengungen.

Mir war, als ständen Nina und Wolfgang in abendrotem Dunst und rosafarbenem Nebel. Jedermann von uns spielte mit streng geschlossenen Lippen. Nichts unterbrach das Schweigen als nur das Aufschlagen des Balles, das Summen des festgespannten Rackets und zeitweis ein kleiner Ausruf der Überraschung oder des Ärgers. Niemand zählte laut, denn jeder von uns wußte, wie wir standen. Frau Seyderhelm trat ans Gitter; wir grüßten flüchtig und spielten weiter. Frau Seyderhelm sprach mit einem Gärtner, deutete einmal mit der Hand auf ein Blumenbeet und wandte sich über unsern Eifer lächelnd zum Gehen. Ich wurde gewahr, daß sich mein Spiel von Minute zu Minute verbesserte. Im letzten entscheidenden Set gewann ich alle sechs Spiele und war somit Sieger im Match. Nina sagte uff und fächelte sich mit ihrem Tuch kühle Luft ins Antlitz. Als wir uns die Hände schüttelten, sah sie mich wie zum erstenmal an. In ihren Augen leuchtete mir etwas Verlockendes und Gefährliches entgegen.

„Sie spielen gut,“ sagte Nina. „Reiten Sie?“

„Gewiß.“

„Wolfgang, wir werden morgen früh reiten.“

„O Nina, rede keinen Unsinn, das hast du schon zehnmal gesagt. Du stehst ja doch nicht um sieben Uhr auf.“

„Doch, ich werde ganz bestimmt um sieben Uhr aufstehen.“