Zugeeignet hat Candidus oder Bruun sein Werk dem Modestus, oder mit deutschem Namen Reccheo, der die Unthaten des Ratgar, des Einhorns, welches in die fromme Herde eingebrochen war, durch beigefügte Zeichnungen noch anschaulicher machte; leider ist die Handschrift verloren und wir kennen nur die Abbildungen in Brauers sehr dankenswerthem Buch[9].

Am 15. Juni 822 starb Eigil; ihm folgte sein Freund Hraban, der bis dahin der Klosterschule vorgestanden hatte, einer der größten Gelehrten seiner Zeit[10], dessen Ruhm sich schon durch das ganze Frankenreich verbreitet hatte. Man bewunderte namentlich auch seine Verse, obgleich sie gegen diejenigen mancher Zeitgenossen sehr zurückstehen, arm an Inhalt sind, und voll von grammatischen und metrischen Fehlern, wie man sie bei ihm nicht erwarten sollte, voll auch von Plagiaten, die er u. a. auch an seinem Lehrer Alcuin verübt hat. Er war ein Schüler Alcuins; Ratgar hatte ihn, wie oben erwähnt, nach Tours gesandt, nachdem er im Jahre 801 zum Diaconus geweiht war[11]; und kurze Zeit genügte, um ein warmes Freundschaftsband zwischen ihm und dem allverehrten Lehrer zu knüpfen. Alcuin nannte ihn Maurus nach dem Lieblingsjünger des heiligen Benedict, und nach seiner Heimkehr schrieb er ihm einen Brief, in welchem er erwähnt, dass er einst (olim) eine Schrift unter seinem und seines Mitschülers Samuel Namen verfaßt habe[12]: sehr bald darauf (19. Mai 804) muß Alcuin gestorben sein. Mit Hatto, seinem Nachfolger als Abt, damals seinem Mitschüler in Tours, noch erfüllt von Verehrung gegen Alcuin, der auf dem Widmungsbild für den h. Martin segnend neben ihm steht, verfaßte Hraban in seinem dreißigsten Jahr sein Werk zum Preise des h. Kreuzes, dessen versbildliche Spielereien im Mittelalter viel bewundert wurden. In Prachthandschriften schickte er es dem Pabste, Erzbischof Otgar u. a. und es haben sich deren mehrere erhalten[13]. Als Alcuin ihm zuletzt schrieb, stand Hraban bereits der Klosterschule in Fulda vor, welche nun eine Pflanzstätte gelehrter Bildung für ganz Deutschland wurde, denn ungestört durch die Bedenklichkeiten seines alternden Lehrers erklärt Hraban in seiner Schrift de institutione clericorum auch das Studium der heidnischen Autoren für unentbehrlich zum Verständniß der heiligen Schrift; bei Lupus und in den Annalen von Fulda findet sich nach Vogel zuerst wieder nach langer Zeit Bekanntschaft mit den Schriften Sallusts, welche jetzt einen rasch wachsenden Einfluß auf den Stil gewannen[14]. Auch durch die Ungunst der Zeiten unter Ratgar wurde die Schule nur theilweise in ihrer segensreichen Wirksamkeit gehemmt. Fuldische Mönche finden wir bald in den angesehensten Stellungen; so wurde Baturich (817-848) Bischof von Regensburg und Erzcaplan, Haimo (840-853) Bischof von Halberstadt; Hrabans Schüler war Otfrid, der Mönch von Weißenburg, mit seinen Gefährten Werinbert und Hartmut aus St. Gallen[15]. Einhard sandte ihm den Vussinus, den er seinen Sohn nennt, doch vielleicht nur in kirchlichem Sinn; Alderich, Abt von Ferrières, später (829-841) Erzbischof von Sens[16], den Lupus, der später als Abt von Ferrières im Sprengel von Sens einen großen Namen gewann, und von dem eine Briefsammlung[17] voll reicher Belehrung sich erhalten hat; auf seine Bitte schrieb Hraban ein Collectarium in epistolas Pauli. Auch Frechulf von Lisieux war mit Hraban befreundet, doch vermuthlich schon seit seiner Lehrzeit in Tours (oben [S. 217]). Ermanrich von Ellwangen übersandte seinem Lehrer Rudolf, der Hraban zur Seite stand, das von ihm verfaßte Leben des heiligen Solus. Vor allem aber glänzt unter Hrabans Schülern Walahfrid, der Abt von Reichenau, der bald selbst das Haupt einer neuen Schule wurde. Auch Bernhard, der unglückliche König von Italien, war ihm zur Erziehung übersandt worden. Nicht zu den unbedeutendsten Schülern des Hraban gehört endlich auch der Mann, der ihm und der ganzen Reichsgeistlichkeit in der Folge so viel zu schaffen machte, der Mönch Godschalk, der ungeachtet seines Standes den Muth hatte, eine unabhängige Ueberzeugung auszusprechen und zu verfechten[18].

Wie glückliche Erfolge für das eigene Kloster Hrabans Wirksamkeit hatte, haben wir schon an den Verfassern der Annalen gesehen. Unter seinen eigenen Werken sind keine geschichtliche, wenn man nicht etwa das schon früher erwähnte Martyrologium so bezeichnen will; wohl aber enthalten seine Vorreden, Widmungen[19] und Gedichte viele schätzbare Nachrichten über sein Kloster und über seine mitstrebenden Zeitgenossen, und mehrere seiner Schriften stehen in Verbindung mit den Zerwürfnissen der kaiserlichen Familie. Nach Eigil wurde er Abt des Stifts; da er aber dem Kaiser Ludwig treu ergeben, Lothar befreundet war[20], verließ er 842 sein Kloster, wo statt seiner Hatto, genannt Bonosus, einst sein Mitschüler in Tours, erwählt wurde, und widmete sich nun ungestört seinen wissenschaftlichen Arbeiten, die ihm ohnehin mehr zusagten. Mit den Fuldern blieb er in freundschaftlichem Verkehr, und söhnte sich bald auch mit König Ludwig aus, der ihn gegen seine Neigung nach Otgars Tod zum Erzbischof von Mainz (847-856) erhob. Wie diese Beförderung den Reichsannalen zugute gekommen ist, haben wir oben schon gesehen.

In hohem Grade theilte Hraban das eifrige Streben der deutschen Geistlichkeit, den an solchen Schätzen noch armen Boden dieses Landes mit Gebeinen der Heiligen zu bereichern; die italienischen Reliquienkrämer hatten an ihm ihren besten Kunden. Seit alter Zeit bewahrte Fulda den Leib der heiligen Lioba oder Leobgyth; diesen ließ Hraban nach dem Petersberge bringen, und veranlaßte schon vorher Rudolf, ihr Leben zu beschreiben[21]. Ihm standen dazu die Aufzeichnungen des fünf Jahre vorher (831) verstorbenen Priesters Mago zu Gebote, welche die Erzählungen von Schülerinnen der Heiligen enthielten. Anderes hatte sich noch in mündlicher Tradition erhalten. Leobgyth war eine Verwandte des Bonifaz, und von ihm aus England berufen, um in dem Kloster Bischofsheim (oben [S. 137]) einen Mittelpunkt geistlicher Belehrung für Nonnen zu errichten; auch ihnen waren die lateinische Sprache und mancherlei andere Kenntnisse unentbehrlich zum Verständniß der heiligen Schriften und des Gottesdienstes. Rudolfs Nachrichten geben daher eine erwünschte Ergänzung für die Kenntniß von der Wirksamkeit des Bonifaz; später war Leobgyth auch mit der Königin Hildegard befreundet. Diese Nachrichten sind nun verbunden mit einer Fülle von Wundergeschichten; so wenig in Rudolfs Annalen der kirchliche Standpunkt hervortritt, so sehr zeigt er sich hier von der die Zeit beherrschenden Richtung erfüllt. In noch höherem Grade tritt das hervor in seiner Schrift über die Wunder der unter Hraban nach Fulda gebrachten Reliquien[22], welche auch einige geschichtliche Nachrichten enthält, übrigens aber eine Fülle jener sich immer und überall in ermüdendster Eintönigkeit wiederholenden Wundergeschichten, welche nur durch die Namen der Personen und Ortschaften und gelegentliche Angaben über Sitten und Gebräuche der Zeit einigen Werth erhalten. Die Zeit der berichteten Geschichten fällt in die Jahre 835 bis 838; geschrieben ist das Buch zwischen 842 und 847, als Hraban in seiner Zelle auf dem Petersberge lebte; vielleicht jedoch etwas später, da die Schilderung von Hrabans litterarischer Thätigkeit daselbst im letzten Capitel im Praeteritum gehalten ist, und der letzte Schluß fehlt.

Dieses Werk Rudolfs war es wohl, welches Waltbraht, den Enkel Widukinds, der im Jahre 851 den Leib des h. Alexander von Rom nach Wildeshausen brachte, zu dem Wunsche und der Bitte veranlaßte, daß Rudolf auch diesen Gebeinen eine ähnliche Schrift widmen möchte[23]. Aber erst, als er im Alter sich wieder in sein Kloster zurückzog, kam er zur Ausführung. Die Art, wie er diese Aufgabe erfaßte, zeigt seinen geschichtlichen Sinn; erfüllt davon, daß hauptsächlich diese Uebertragungen von Reliquien das Christenthum unter den Sachsen ausbreiteten und befestigten, ging er zurück auf die alte Heidenzeit, um zu zeigen, von welchen Irrthümern das Volk durch die Einführung des Christenthums befreit sei. Er begann mit einem kurzen Abriß der Stammsage, die Widukind von Corvey ausführlicher erhalten hat; dann aber entlehnt er die näheren Angaben über Glauben und Sitten der Sachsen aus der Germania des Tacitus[24]. Das ist ein guter Beweis für die gelehrten Studien der Fuldischen Klosterschule; zugleich aber ist es auch charakteristisch für Rudolf nicht allein, sondern für die mittelalterlichen Gelehrten überhaupt, daß er in Fulda, wo doch noch kürzlich das Hildebrandslied aufgeschrieben war, über das sächsische Heidenthum nichts aus eigener Kunde und Beobachtung mittheilt, sondern sich genau an die Worte des Tacitus hält.

Rudolf fügte noch eine kurze Uebersicht der Bezwingung der Sachsen durch Karl den Großen nach Einhard hinzu; dann rief ihn der Tod am 8. März 865 ab von dem wohlangelegten Werke. In den Annalen ist ihm ein kurzer Nachruf gewidmet, wo er als Historiker und Dichter gefeiert wird, und man vermuthet, daß auch der Maler Rudolf, dessen Werk Hraban in einem Epigramm rühmt, kein anderer gewesen ist. Die Fortsetzung des begonnenen Werkes übernahm sein Schüler Meginhard. Die Taufe Widukinds, mit der Rudolfs Erzählung abbricht, gab diesem den Uebergang auf dessen Enkel Waltbraht, der, an Lothars Hofe erzogen, sich mit vollem Eifer dem Christenthume zuwandte, und um das Christenthum in Sachsen besser zu befestigen, auszog, um aus Rom Reliquien zu holen. Die Empfehlungsbriefe, welche ihm Kaiser Lothar mitgab, hat Meginhard vollständig aufgenommen, hält sich dann aber bei den Vorfällen der Reise nicht lange auf, sondern geht bald zu seinem eigentlichen Gegenstande, den Wundern, über. Eine zweite Schrift ähnlicher Art, über den heiligen Ferrutius und dessen Uebertragung von Castel nach Bleidenstadt, nördlich von Wiesbaden, durch den Erzbischof Lull[25], ist eine Predigt und hat deshalb einen ganz überwiegend erbaulichen Charakter; eine große Fülle von Phrasen verdeckt den Mangel an geschichtlichem Inhalt, der nur aus den Inschriften von Bleidenstadt stammt.

Meginhard, der sich in der Widmung einer theologischen Abhandlung an den Erzbischof Gunther von Coeln als Schulmeister bezeichnet[26], ist, wie wir schon oben sahen, ohne Zweifel auch der Fortsetzer der Reichsannalen gewesen. Nur aus diesen sehen wir, daß die litterarische Thätigkeit in diesem Kloster noch nicht ganz erstarb. Nur aus dem Anfange des folgenden Jahrhunderts haben wir noch eine kurze Geschichte der Aebte von Fulda[27], einen sehr kurzen und gedrängten, aber recht hübsch geschriebenen Bericht, der jedoch nur mit Vorsicht zu benutzen ist, da er durchaus panegyrischer Natur und keineswegs geschichtlich wahrhaftig ist. Der Abt Huoggi (891-915) erlangte von Kaiser Arnulf die berühmte, noch jetzt erhaltene Evangelienhandschrift, deren Randglossen Bonifatius zugeschrieben werden[28]. Sonst aber ist von litterarischer Thätigkeit in diesem Kloster nichts auf uns gekommen. Es hat jedoch schon Waitz[29] erkannt, daß den Hersfelder Annalen bis in die Mitte des neunten Jahrhunderts eine in Fulda verfaßte Compilation zu Grunde liegt, welche aus den ältesten Lorscher Annalen, der kleinen Frankenchronik (Lauriss. min.) und einheimischen Aufzeichnungen zusammengesetzt war, und auch von Marianus Scotus benutzt wurde. H. Lorenz hat das weiter ausgeführt und glaubte das Endjahr zwischen 830 und 840 ansetzen zu können[30], wogegen G. Buchholz[31] geltend machte, daß dann der Mangel einer Verwandtschaft mit dem älteren Theil der sog. Ann. Fuld. nicht zu erklären sei. Fr. Kurze bemerkte, daß die Uebereinstimmung mit Marianus sich noch weiter erstrecke, und andererseits, daß für die erste Hälfte des zehnten Jahrhunderts dem Fortsetzer des Regino eine Fulder Quelle vorgelegen habe; beide schienen zusammen zu gehören[32]. So kommen wir auf eine Fulder Compilation des ausgehenden neunten oder des zehnten Jahrhunderts mit annalistischer Fortsetzung, Klosterannalen, in denen, wie es bei diesen Jahrbüchern der Fall zu sein pflegt, einzelne geschichtliche Nachrichten mit Begebenheiten aus der Hausgeschichte verbunden waren. Dafür wird der erste Theil der Annales S. Bonifacii von 716 bis 830 in Anspruch genommen[33]. Eine ausführlichere Geschichte des Klosters, die spurlos verschwunden ist, erwähnt und lobt Lambert in der Vorrede zu seiner Hersfelder Geschichte, SS. V, 137.

Litterarische Thätigkeit finden wir auch in dem nahe gelegenen, ebenfalls hessischen Kloster Hersfeld, welches um 770 von Lullus begründet wurde, als Fulda mit Erfolg seine Selbständigkeit gegen ihn behauptete, und bald zu kräftiger Entwickelung gelangte[34]. Auch von seiner Schule, seinen gelehrten Mönchen würde wohl manches zu berichten sein, wenn nicht die Ueberlieferungen dieses Klosters ein besonders ungünstiges Geschick betroffen hätte; die Hersfelder Annalen, Lamberts Geschichte von Hersfeld, sind verloren, und auch von Lamberts Jahrbüchern ist keine alte Handschrift vorhanden; da mag noch anderes spurlos für uns verschwunden sein. Der Abt Balthard († 796) kann vielleicht derselbe sein, an welchen zwei Briefe seiner Schwester Berthgyth in der Bonifazischen Sammlung sich erhalten haben[35]. Abt Bun bewog 836 den gelehrten Lupus, ein Leben Wigberts zu schreiben[36], den Bonifaz als Abt von Fritzlar eingesetzt hatte; seine Gebeine waren nach Hersfeld übertragen, und in den Wundergeschichten finden sich einige geschichtliche Nachrichten. Eine Handschrift, welche leider verschollen ist, enthielt auch eine poetische Bearbeitung dieser Vita in sehr barbarischer Sprache, von einem Hersfelder Mönch, welcher sie Buns Nachfolger Brunwart (843-875) gewidmet hatte[37]. Dieser Brunwart war befreundet mit Hraban, welcher an ihn, als er noch Chorepiscopus war, Verse richtete[38]. Die Annalen, welche von besonderer Wichtigkeit für uns sind, gehören erst der folgenden Periode an.

Beide Klöster, Fulda und Hersfeld, blieben in engster Verbindung mit dem Erzbisthum Mainz; ihr Theil war die Pflege der Wissenschaft, während die Metropole zu sehr in die politischen Händel verwickelt wurde, um in litterarischer Beziehung eine hervorragende Stelle einzunehmen, wenn wir von den Reichsannalen absehen. Auf Lulls Nachfolger Riculf (786 bis 813), den der Mönch von St. Gallen als dumm und hochmüthig schildert, wohl übertreibend, da er unter dem Namen Damoetas zu Karls Hofgelehrten gehörte[39], folgte zuerst Lulls Schüler Haistulf (813-825), dann bis 847 Otgar, ein Verwandter Riculfs und eifriger Parteimann. Er ist es, welcher den Diaconus Benedict zur Ergänzung der Capitulariensammlung des Ansegis veranlaßt haben soll, und man hat ihn deshalb für den Mitschuldigen der hierin enthaltenen Fälschungen gehalten, eine Ansicht, welche jetzt von P. Hinschius als unbegründet widerlegt ist, da Benedicts Werk erst nach Otgars Tod vollendet worden ist, und die ganze Notiz ist vielleicht nur betrüglich erfunden. Zu verdanken haben wir ihm wahrscheinlich den Abschluß der Mainzer Briefsammlung, in welcher der Correspondenz des Bonifatius Briefe von Lull und Otgar sich anschließen[40]. Für seine Metropole brachte Otgar von seiner Gesandtschaft an Lothar nach Pavia 836 die Reliquien des h. Severus, Bischofs von Ravenna, nebst Frau und Tochter heim; ein französischer Speculant, der solch kostbare Waare durch Lug und Trug sich diebischer Weise zu verschaffen und dann theuer zu verkaufen pflegte, fand an Otgar einen Kunden, denn um so heiligen Besitz zu gewinnen, galt auch den frömmsten Männern Meineid und Diebstahl für zulässig[41]. Groß war die Freude in Mainz und in Erfurt, wohin zur Beförderung des Christenthums in Thüringen S. Severus abgelassen wurde, allein man hatte noch keine Kunde von dem Leben des Heiligen, bis der Priester Liudulf eine Pilgerfahrt nach Rom mit einem Besuche in Ravenna verband, und die dort gewonnene Auskunft mittheilte; hinzugefügt ist von ihm die geschichtlich nicht ganz unwichtige Erzählung von der Erwerbung der Reliquien durch Otgar[42]. Er schrieb unter Hrabans Nachfolger Karl (856-863), dem aquitanischen Prinzen, von dessen gelehrten Studien nichts bekannt ist. Die Bedrängniß der Kirchen durch die Vertheilung ihrer Güter an Kriegsleute veranlaßte einen Mainzer Geistlichen zur Aufzeichnung der Visio Caroli (S. 188), welche er noch mündlich von Hraban erfahren haben wollte. Nach Karl verwaltete Liutbert 26 Jahre lang das Erzbisthum, ein wohlgesinnter und nicht ungelehrter Herr, der sich auch der Reichsannalen wieder annahm, aber die wirren Zeiten, die immer schrecklicheren Einfälle der Normannen, drängten alle wissenschaftliche Beschäftigung in den Hintergrund: im Kampfe gegen diese Unholde verlor 891 Liutberts Nachfolger Sunderold oder Sunzo nach kurzer Amtsdauer das Leben, ein Fulder Mönch, dem einst, da er noch einfacher Priester war, Meginhard die Erzählung von der Uebertragung des h. Alexander gewidmet hatte. An seiner Statt erhob Kaiser Arnulf Hatto, den Abt von Reichenau, berühmt durch seine Klugheit und Thatkraft, auch wegen seiner kirchlichen Gelehrsamkeit hoch gefeiert, aber die äusseren Sorgen für Kirchenzucht und Reichsregierung nahmen ihn vollständig in Anspruch; diesen Zwecken diente auch das Werk de synodalibus causis, welches Regino ihm gewidmet hatte[43].