Einen merkwürdigen Mann finden wir in der zweiten Hälfte des neunten Jahrhunderts in der Brüderschaft der Klöster Stablo und Malmédy, Christian, nach Sigebert aus Aquitanien stammend, einen würdigen Vertreter karolingischer Bildung. Mit umfassender Gelehrsamkeit, auch der griechischen Sprache nicht unkundig, hat er mit merkwürdig freier Denkweise und nüchterner Verständigkeit einen Commentar zum Matthaeus geschrieben, aus welchem Dümmler allerlei für die Zeitgeschichte lehrreiche Aeußerungen zusammengestellt hat[34]. Ausserdem besitzen wir eine bald nach 850 geschriebene Beschreibung der Wunderthaten des h. Remaclus, zu welcher, nachdem das Kloster von der Zerstörung durch die Normannen 881 sich erholt hatte, weitere Zusätze gemacht sind[35].
Außer der kurzen, vom Probst Liuthard verfaßten Erzählung von der Uebertragung des h. Justus bald nach 900 nach Malmédy[36] ist schließlich nur noch die Bisthumsgeschichte von Verdun[37] zu erwähnen, von Berthar, der erste Versuch einer Localgeschichte, an denen später Lothringen so reich war, nach der traurigen Zeit der feindlichen Verwüstungen, denn der Verfasser schrieb erst nach dem Brande der Domkirche im Jahre 916 oder 917; sein Werk reicht aber nur bis in die Zeit des Kaisers Arnulf und ist wegen des fast gänzlichen Mangels an älteren Quellen sehr dürftig[38]. Veranlaßt war er zu seinem Unternehmen durch den Bischof Dado (880-923), den Freund Salomons III von Constanz, von dessen eigenen Aufzeichnungen über seine und seiner Vorgänger Geschichte ein Fragment sich erhalten hat. Aus Metz besitzen wir Briefe und ein Epitaphium des Bischofs Adventius (858-875), den auch Sedulius gepriesen hat[39]; aus Toul sind uns einige Briefe des Bischofs Frothar (813-848) erhalten[40].
[1] Außer verschiedenen Schriften kirchlichen Inhalts (s. NA. XIII, 305-323, XVII, 456) schrieb er nach der Gesandtschaftsreise, die er 813 mit Abt Peter von Nonantula nach Constantinopel unternahm, die dunkeln und in der Ueberlieferung verderbten Versus marini, gedruckt in Alcuins Werken, ed. Froben II, 525; Jaffé, Bibl. IV, 426; Dümmler, Poet. Lat. I, 426.
[2] Herausgegeben von Dr. Nolte im Jahresbericht d. Ges. f. nützl. Forsch. in Trier f. 1872/73 (1874) S. 50-58.
[3] Baehr S. 184-186. 535-538. Dümmler in der Vorrede zur Uebersetzung der Chronik. H. Ermisch, Die Chronik des Regino bis 813, Gött. 1872. Vergl. unten [→ S. 260.]
[4] Vgl. darüber B. Simson, Ludwig d. Fr. II, 63 Anm. 2.
[5] Die werthlose alte Vita S. Goaris bei Mab. II, 276-280; dann folgt die von Wandalbert mit den Wundern. Miracula S. Goaris, ed. Holder-Egger, SS. XV, 361-373, mit der Vorrede der Vita.
[6] S. über ihn Dümmler, NA. IV, 305-312; Ebert II, 185-191; das Martyrol. Poet. II, 567-622. Die von Rettberg bezweifelten Verse über die Cölner Märtyrerinnen sind sicher echt. Uebersetzung der Verse über die Monate von Paul Herzsohn in d. Westd. Zts. 1, 277-290.
[7] Historia translationis Chrisanthi et Dariae, Mab. IV, 1, 611-618. Acta SS. Oct. XI, 490-495 ed. B. Bossue, Annalen f. d. Gesch. d. Niederrheins XX, 96-217, Ausg. u. Abhdlg. von Floß. Auszug MG. SS. XV, 373. 374.