[66] Ecclesiae Colon. Codd. p. 127. Mit dieser beschäftigt sich W. Erben, NA. XVI, 613 ff.
[67] S. unten IV § 8. Ueber Adalbero's Besuch in St. Gallen 908 und seine reichen Schenkungen s. das Verbrüderungsbuch S. 15. Jul. Hans, Beiträge zur Geschichte des Augsburger Schulwesens in der Zeitschrift des hist. Vereins f. Schwaben u. Neuburg II, 1 (1875) stellt die dürftigen Nachrichten darüber zusammen.
[68] Translatio et Miracula S. Adelphi ed. L. v. Heinemann, SS. XV, 293-296, mit einem Wunder von 1198 aus der Fehde zwischen Heinrichs VI Bruder Otto u. B. Conrad v. Straßburg.
§ 19. Baiern und Franken. [[←]]
Baiern, wo schon unter den Agilolfingern eine rege litterarische Thätigkeit begonnen hatte, zeigt auch in diesem Abschnitte Spuren derselben, und es wird an geschichtlichen Aufzeichnungen in den zahlreichen und blühenden Klöstern des Landes nicht gefehlt haben, obgleich im ganzen die Bedürfnisse des praktischen Lebens, der Geschäftsthätigkeit und des Schulunterrichts die Kräfte überwiegend in Anspruch nahmen. Doch ist in den Verheerungen des Landes durch die Ungern ohne Zweifel vieles zu Grunde gegangen.
In Freising zeugen die zahlreichen grammatischen Handschriften aus dem neunten und zehnten Jahrhundert[1] von eifrigen Studien. Nach Aribo, dessen wir schon früher gedachten, machte sich hier der Bischof Hitto (810-835) sehr verdient; er veranlaßte seinen Notar Cozroh, das höchst schätzbare Traditionsbuch der Kirche anzulegen, welches von demselben unter seinem Nachfolger Erchanbert (bis 853) fortgesetzt wurde[2]. An seinem Bischofsitz gründete Hitto das Kloster Weihenstephan, dem er aus Rom 834 den h. Alexander zuführte; die von einem Genossen dieser Uebertragung in recht gutem Latein und nicht ohne Kenntniß profaner Autoren verfaßte Geschichte derselben habe ich, von Dümmler darauf aufmerksam gemacht, herausgegeben[3]. Wenig später hielt dort der Pfalzgraf Timo Gericht, wobei sein Hund den Frevel beging, aus dem heiligen Quell zu trinken. Rascher Tod war die Strafe, und dieses Wunder feiert ein Gedicht, welches merkwürdig ist durch Beschreibung des Gerichtsverfahrens, der strengen Justiz, die dort geübt ward, und durch sehr entschiedene Bekämpfung der Ordalien[4]. Als man es im 11. Jahrhundert von der Rolle, auf welche es geschrieben war, in ein Buch übertrug, war leider der Anfang derselben schon beschädigt und verloren. Auch Bischof Anno (854 bis 875) ließ ein Werk für die Bibliothek abschreiben[5]; Waldo (884 bis 906), ein Bruder Salomons III von Constanz, zeichnete sich durch seine wissenschaftliche Bildung aus, und scheint auch als Bischof in dieser Richtung thätig gewesen zu sein[6].
In Regensburg war Baturich (817-848) Bischof und Abt zu St. Emmeram, zugleich Erzcaplan des Königs, ein geborener Baier, der in Fulda Hrabans Unterricht genossen hatte, und durch die Besorgung von Abschriften kirchlicher Werke seinen wissenschaftlichen Eifer bewies[7]. Schon unter Ambricho (864-899) begann hier Anamod die Urkunden über Schenkungen an das Kloster St. Emmeram zu sammeln, und eignete das vollendete Werk dessen Nachfolger Aspert (891-893) zu, welcher Kaiser Arnulfs Kanzler gewesen war[8]. Hier verwahrte man auch jene merkwürdige Aufzeichnung über die Gaue der Slaven, bekannt als Geographus Bawarus, welche aus einer Handschrift von St. Emmeram durch Hormayr zuerst bekannt gemacht ist[9].
In Nieder-Altaich und Würzburg wird Gozbald (841 bis 855), einst Erzkanzler Ludwigs des Deutschen und immer in hoher Gunst bei ihm, ein gelehrter Mann, den Ermanrich von Ellwangen seinen Lehrer nennt, ohne Zweifel die Studien befördert haben, wenn uns auch nichts darüber bekannt geworden ist. Einer Handschrift von Nieder-Altaich verdanken wir jene geschichtlich wichtige, wenn auch in der Form verwilderte Fortsetzung der Fulder Annalen von 882-901, welche in Baiern, aber schwerlich in einem Kloster, geschrieben ist[10]. Für seine Kirche in Isarhofen bei Nieder-Altaich erbat Gozbald von Gregor IV die Gebeine der Märtyrer Agapitus und Felicissimus, und vielleicht ist es ihre Translation, wovon sich ein Fragment erhalten hat, merkwürdig durch die Erwähnung der Aufschriften des P. Damasus „rotundis litteris“ und der von Karl dem Großen gestifteten Schola Francorum in Rom[11].
Zum Würzburger Sprengel gehört Laufen am Neckar, wo man S. Reginswind verehrte, Tochter des Markgrafen Ernst, welche als siebenjähriges Mädchen 837 von ihrer Wärterin aus Rache im Neckar ertränkt sein soll; ihre sagenhafte Geschichte ist aber erst im zwölften Jahrhundert aufgezeichnet[12].
In Eichstedt ließ B. Erchanbald (882-912) nicht nur viele Bücher abschreiben, sondern er veranlaßte auch den Priester Wolfhard, das Leben der h. Walburga[13] zu schreiben, deren Reliquien er 893 nach Monheim übertragen hatte, der Schwester Willibalds — eine der zahlreichen Aufzeichnungen solcher Art, welche diese Zeit mit ihrer immer wachsenden Heiligenverehrung hervorbrachte, weniger durch geschichtlichen Sinn als durch das Bedürfniß einer Legende veranlaßt und mit Wundergeschichten ausgestattet. In ausgedehntestem Maße sorgte aber Wolfhard für die Befriedigung dieses Bedürfnisses durch das ebenfalls auf Veranlassung des Bischofs Erchanbald von ihm gesammelte, schon früher ([S. 61]) erwähnte große Legendarium.