Novariae natus, Papiae moenibus altus,
Urbe velut potui, doctor utraque fui.
Me rex Otto potens Francorum duxit in urbem,
Qua legi multos mente vigente libros.
Hinc me digressum, proprium suscepit alumnum
Virgo salus mundi, mater et alma dei.
Protinus amissam studui reparare sophiam,
Erudiens pueros instituensque viros.
His igitur cunctis Christo tribuente peractis,
Sum pulvis modicus, jussit ut ipse deus.
Quisquis hac graderis, Stephani memor esto jacentis,
Ac sibi posce poli regna beata dari.
Insuper adde diem quae contulit ultima finem.
Hanc si scruteris, hinc mage cautus eris.

Die politischen Verwickelungen führten auch den gelehrten Bischof Rather von Verona und vor Berengar flüchtend Liudprand an Otto's Hof, wo sie gute Aufnahme fanden, und auch Gerbert wurde von Pabst Johann XIII im Jahre 971 zum Kaiser gesandt, verweilte aber damals nur kurze Zeit am Hofe, weil er vorher noch in Reims seine philosophische Ausbildung zu vollenden wünschte[11].

Gern gesehen an Otto's Hofe war Ekkehard (II) von St. Gallen, den man deshalb im Kloster den Höfling (palatinus) nannte; er war einer der Lehrer Otto's II[12]. Dieser hatte unter der Leitung Volcolds, und nach dessen Beförderung zum Bischof von Meißen des Willigis[13], einen vollständigen wissenschaftlichen Unterricht erhalten; er liebte und beförderte die Wissenschaften und nahm lebhaften Antheil an den gelehrten Problemen, welche damals die Menschen beschäftigten[14]. Hrotsuit feiert ihn als einen zweiten Salomo. Er zog Gerbert wieder an sich, und noch ist uns ein Fragment der Disputation erhalten, welche dieser 980 vor dem Kaiser zu Ravenna hielt gegen den berühmten Magdeburger Lehrer Otrich, den Otto ebenfalls an seinen Hof berufen hatte[15]. Auch der Abt Adso von Montier-en-Der, einer der berühmtesten Gelehrten Frankreichs, war dabei zugegen, nebst einer großen Menge von Scholastern oder Grammatikern[16]. Auch von S. Wolfgang wird uns berichtet, daß er vor diesem Kaiser gegen einen Ketzer disputierte. Den Bischof Gumpold von Mantua veranlaßte er, das Leben des heiligen Wenzeslaus zu beschreiben.

Kurz vor dem Tode des alten Kaisers, im Jahre 972, besuchten Vater und Sohn das Kloster St. Gallen. Der Vater fragte nach dem alten Notker, dem gelehrten Maler und Arzte, mit dem Beinamen Pfefferkorn; schwach und erblindet saß er auf einem Sessel. Auf das Geheiß des Vaters führte der junge Kaiser ihn herbei, und der Alte leitete ihn nach zärtlicher Umarmung sorgsam ins Kloster und setzte ihn an seine Seite. Otto II aber ließ sich nun hier die Bibliothek öffnen und nahm, von den reichen Schätzen derselben gelockt, eine Anzahl der besten Bücher mit sich fort; einige gab er auf Ekkehards Bitte später zurück[17].

Otto III endlich wurde von seiner Mutter Theophano, von dem Calabresen Johannes und Bernward von Hildesheim auf das sorgfältigste erzogen[18], und sein wissenschaftlicher Verkehr mit Gerbert ist weltbekannt; wie es nur zu leicht geschah, wendeten ihn diese ganz auf fremdländischen Grundlagen beruhenden Studien vom vaterländischen Wesen ab, und störten die harmonische Entwickelung seines Geistes[19].

Heinrich II war in seiner Kindheit zum geistlichen Stande bestimmt, und erhielt in Hildesheim, später unter Bischof Wolfgangs Leitung in Regensburg eine gelehrte Erziehung[20]; wissenschaftliche Thätigkeit förderte er nicht unmittelbar[21], aber seine Bestrebungen für die Reform verwilderter Klöster kamen auch den Schulen zu Gute, wovon namentlich die Geschichte des Bischofs Godehard von Hildesheim ein Beispiel giebt, und die Stiftung des neuen Bisthums zu Bamberg, welchem er es auch an Büchern nicht fehlen ließ, eröffnete den gelehrten Studien eine neue Stätte[22]. In 54 schwerfälligen und schwülstigen Hexametern pries Abt Gerhard von Seon zwischen 1012 und 1014 die neue Stiftung[23], und mit nicht minder gesuchten und pedantischen Anreden in Prosa und in Versen begleitete der Bamberger Diaconus Bebo Abschriften von Büchern, welche der Kaiser hatte machen lassen; er rühmt darin Heinrichs Bemühungen, den Landfrieden herzustellen, und seine Schilderung von Benedicts VIII Besuch in Bamberg 1020 ist von Adalbert in seiner Biographie Heinrichs II benutzt worden[24].

Auch in der Todtenklage um Constantius den Scholasticus von Luxeuil schildert Gudinus den Kummer des Kaisers, daß seines gleichen nicht mehr zu finden sei[25]. Dem Kloster Corvey schenkte ein Kaiser Heinrich, der aber auch ein späterer sein kann, eine Handschrift aus Unteritalien, welche das Autograph von Landolfs Historia miscella (oben [S. 166]) und Vegetius enthielt[26].

Bei den Frauen fand man im früheren Mittelalter weit eher als bei den Männern aus dem Laienstande die Anfänge einer gelehrten Bildung, die schwierige Kunst des Lesens und Schreibens, nebst einer Kenntniß der allgemeinen Schriftsprache, welche zum Verständniß des Psalters ausreichte[27]. Leicht knüpfte sich mehr daran, und auch der Einfluß, welchen Geistliche über weibliche Gemüther so leicht erlangen, begünstigte ihre Beschäftigung mit dem besonderen Erbtheile dieses Standes, den Büchern. Die Frömmigkeit der Königinnen Mahthild[28] und Edid ist bekannt; Heinrichs I Tochter Gerberga veranlaßte den Abt Adso zur Abfassung seiner Schrift über den Antichrist; Adelheid aber, die Burgunderin, und Theophano, die Griechin, zeichneten sich durch eine in Deutschland seltene litterarische Bildung aus, die sich auch in der sorgsamen Erziehung ihrer Kinder erkennen läßt. Ganz besonders wird uns die hohe Bildung der schönen Herzogin Hedwig von Schwaben gerühmt, der Tochter von Otto's des Großen Bruder Heinrich von Baiern. Wie man sich in St. Gallen erzählte, war sie als Kind zur Braut eines griechischen Kaisers bestimmt, und wurde durch Kämmerlinge, welche dieser eigens deshalb gesandt hatte, im Griechischen unterrichtet, zerriß aber diese Verbindung, welche ihr mißfiel. Diese Geschichte freilich ist so, wie sie erzählt wird, nicht möglich. Später mit Herzog Burchard vermählt und früh (973) verwittwet, waltete sie auf ihrer Feste Hohentwiel mit männlicher Festigkeit, ja mit Härte, und ihre wechselnden Launen waren sehr gefürchtet. Ihre liebste Beschäftigung aber bestand darin, mit dem Sanctgaller Mönche Ekkehard, den sie sich dazu vom Abte ausgebeten hatte, die alten lateinischen Dichter zu lesen. Den jungen Burchard, der später Abt wurde, lehrte sie selbst griechisch und beschenkte ihn zum Abschied mit einem Horaz[29].

Ihre Schwester Gerbirg, die Aebtissin von Gandersheim, war, so sagt Hrotsuit, wie es der Nichte des Kaisers gebührte, von höherer wissenschaftlicher Bildung und unterwies mich in den Autoren, welche zuvor die gelehrtesten Meister mit ihr gelesen hatten[30].

Auch Heinrichs II Gemahlin Kunigunde zeichnete sich durch Kenntniß und Verständniß der kirchlichen nicht nur, sondern auch der weltlichen Schriftsteller aus, und in der späteren Zeit betrachtete man die feine Bildung der vornehmen Frauen als einen besonderen Vorzug dieses Zeitalters[31]. Aber auch über seine Standesgenossen klagte Graf Udalrich von Ebersberg († 1029) in seinen alten Tagen: in seiner Jugend, sagte er, habe jeder Edelmann sich schämen müssen, wenn er die Rechtsbücher nicht zu lesen und anzuwenden gelernt hätte[32].