[25] Gesta episcoporum Halberstadensium ed. Weiland MG. SS. XXIII, 73 bis 123, vgl. p. VII u. GGA. 1877 S. 786. Scheffer-Boichorst, Forsch. XI, 498-506 wies auf diese alten Halb. Nachrichten hin, die er für Annalen hielt. Vgl. oben [→ S. 256] über vermuthete Spuren Halb. Annalen beim Poeta Saxo.
[26] S. die merkwürdige Urk. des Erneuerers der Kirche, B. Reinhard von Halberstadt, vom 9. Mai 1110 bei Delius. Untersuchungen über die Gesch. d. Harzburg (1826), Urkk. S. 1-5, vgl. Text S. 280-287. Dieselbe jetzt bei Jacobs, Urkundenbuch v. Ilsenburg (Geschichtsquellen der Provinz Sachsen VI) S. 11.
[27] Ussermann, Ep. Bamb. Ib, S. 8. Jaffé, Bibl. V, 472-479; vgl. Giesebrecht II, 59.
§ 4. Hildesheim. [[←]]
Hildesheim, in der karolingischen Periode noch nicht durch litterarische Leistungen bekannt[1], gewann in der zweiten Hälfte des zehnten Jahrhunderts einen glänzenden Namen unter den Pflanzstätten höherer Bildung, den es dann lange behauptete. Als erstes Denkmal ist uns die Geschichte der Uebertragung des h. Epiphanius erhalten[2]. Der Eifer für die Erwerbung von Reliquien, der schon im neunten Jahrhundert so manche kleinere geschichtliche Aufzeichnung veranlaßt hatte, gewann in der folgenden Periode einen neuen Anstoß durch die Römerzüge der Ottonen, und der an solchen Schätzen reiche italische Boden wurde mit allen Mitteln ausgebeutet.
Otwin, einst Mönch in Reichenau, der zweite Abt des Mauriciusstiftes zu Magdeburg, der 954 den Hildesheimer Bischofstuhl bestiegen hatte, begleitete den Kaiser auf seiner zweiten Heerfahrt nach Italien und benutzte 962 seinen Aufenthalt zu Pavia, um sich durch Einbruch und Kirchenraub den Leib des h. Epiphanius zu verschaffen, den er als herrlichste Beute nach Sachsen brachte.
Allein nicht nur an Reliquien, sondern auch an Büchern war Italien noch immer das reichste Land, und auch diesem Schatze stellte Otwin eifrig nach; auch davon brachte er einen großen Vorrath mit nach dem bis dahin bücherarmen Hildesheim, und dadurch legte er den Grund zu der kräftigen Entwicklung der dortigen Schulen[3]. Die erste Frucht dieser neuen Thätigkeit, welche uns bekannt geworden ist, verherrlicht eben jene Uebertragung; es ist eine im schlichten kirchlichen Stil der Zeit geschriebene Erzählung, die jedoch erst nach Otwins Tode (1. Dec. 984) verfasst ist, vielleicht, wie Beelte vermuthet, von Thangmar.
Dieser stand damals der Schule vor; später wurde er Domdechant und nahm zugleich als Bibliothekar und Notar eine bedeutende Stellung ein; ein großer Theil der bischöflichen Geschäfte ging durch seine Hand, und namentlich in den Jahren von 1000 bis 1002 führten ihn wichtige Aufträge wiederholt an den päbstlichen und kaiserlichen Hof. Seiner besonderen Leitung wurde der junge Bernward anvertraut, ein sächsischer Knabe von vornehmster Herkunft, der schon in früher Kindheit der Hildesheimer Kirche übergeben war. Nicht allein in den Wissenschaften, sondern auch in den Künsten, der Schreibkunst, Malerei, Bildhauerei und Baukunst wurde der junge Bernward unterrichtet, und auch hierin zeichnete er sich bald in hohem Grade aus. Denn wie wir das besonders auch in St. Gallen sahen, die Geistlichkeit pflegte und bewahrte in Deutschland damals in ihrer Mitte alles, was überhaupt von höherer Ausbildung irgend vorhanden war; noch mußte sie fast alles, dessen sie bedurfte um den hohen Anforderungen ihrer Stellung zu genügen, selber leisten.
Später hielt Bernward sich einige Zeit bei dem Erzbischof Willigis auf, bei seinem Großvater dem Pfalzgrafen von Sachsen, und bei seinem Oheim, dem Bischof Folkmar von Utrecht; dann begab er sich 987 an den kaiserlichen Hof, und hier vertraute ihm Theophano die Erziehung des königlichen Kindes Otto III.
Am 7. Dec. 992 starb in Como der Bischof Gerdag von Hildesheim, und Bernward wurde zu seinem Nachfolger erwählt. Dreißig Jahre lang hat er dieses Amt verwaltet, und nicht leicht hat ein Bischof ein besseres Andenken hinterlassen. Unter den trefflichen Bischöfen, an welchen diese Zeit so reich ist, war er einer der hervorragendsten. In ihrer Hand waren zum großen Theil die Reichsgeschäfte; Bernward hatte schon als Hofcaplan an der Regierung Antheil gehabt, und als Bischof nahmen ihn die wichtigsten Angelegenheiten vielfach in Anspruch. Dabei aber sorgte er für seinen Sprengel mit unermüdlicher Sorgfalt. Noch war Sachsen nicht gesichert gegen die Einfälle der Wenden und der Normannen, welche grade damals mit verstärkter Wuth sich erneuten, und erst Bernward verschaffte seinem Gebiete durch Befestigungen und zweckmäßige Einrichtungen ausreichenden Schutz, sowie er auch durch vielfache kaiserliche Begnadigungen die Ausbildung des Stiftes zu einem wirklichen Fürstenthume begründete. Ueberhaupt ließ er keine Eigenschaft eines tüchtigen weltlichen Regenten an sich vermissen und war zugleich ernstlich bemüht, Hildesheim immer mehr zu einer Stätte geistiger Bildung zu machen. Er bereicherte die Bibliothek des Stiftes mit zahlreichen Handschriften; leider wurde aber durch einen Brand 1013 der größte Theil der Bibliothek vernichtet[5]. Talentvolle Knaben ließ er in Wissenschaft und Kunst unterweisen; die begabtesten führte er mit sich an den königlichen Hof, um sie von der vielfachen hier gebotenen Gelegenheit zu höherer Ausbildung Nutzen ziehen zu lassen. Mit herrlichen Kunstwerken hat er seine Bischofstadt geziert[6] und ein bleibendes Denkmal errichtete er sich durch die Stiftung des Michaelisklosters, dessen erster Abt Goderamnus, Probst von St. Pantaleon in Coeln, ein Mann von wissenschaftlicher Bildung war[7].