[22] Diese bestimmte Angabe macht es bedenklich, Schirrens Vermuthung zu folgen, der auch in den übrigen Büchern eine bedeutende Ueberarbeitung, zum Theil neue Abfassung annimmt. Er hätte ja das nicht nöthig gehabt zu verschweigen.

[23] „Dictio semper agrestis est, quae aut sensibus electis per moram non comitur aut verborum minime proprietatibus explicatur. Loqui nobis communiter datum est: solus ornatus est qui discernit indoctos.“ Die Erlasse in seinem eigenen Namen, als Präfect, aus den Jahren 534, 535, 537, 538 finden sich im elften und zwölften Buche; in den früheren schreibt er im Namen des Königs. Vgl. über die Variae Thorb. S. 50-60. Horst Kohl, Zehn Jahre ostgoth. Gesch. (526-536), Leipzig 1877. Hasenstab, Studien zur Variensammlung des C. S. Progr. d. Max. Gymn. zu München 1883. Tanzi, Cronologia dei libri Var., Triest 1887. Ueber eine Abh. v. Gaudenzi s. Mommsen, NA. XIV, 437.

[24] Ennodii Opera ed. Sirmond, Paris 1611. Hartel im Wiener Corpus VI, 1882. Rec. v. Krusch, HZ. LI, 100-102. MG. Auctt. antt. VII von Fr. Vogel 1885. Fertig, Magnus Felix Ennodius und seine Zeit. 1. Abth. Passau 1855, 4. Pallmann II, 190-192. Ebert 432-440. Rinaudo p. 19-24. Zur Chronologie Hasenstab, Progr. d. Münch. Luitpoldgymn. 1889/90. Tanzi, s. NA. XV, 425. Auf die Bedeutung seiner Vita Epiphanii ed. Ticin. weist Binding hin: Das Burgundisch-roman. Kgr. I, 97. Seine Briefe sind culturgeschichtlich wichtig. — Ueber die schon früh sagenhaft entstellte Geschichte Theoderichs, aus welcher geschichtliche Thatsachen nicht zu entnehmen sind, findet sich eine sorgfältige, auf Untersuchung der Handschriften begründete Abhandlung bei A. Thorbecke: Ueber Gesta Theoderici, Herbstprogr. des Heidelb. Gymn. 1875. Ausg. v. Krusch, SS. Meroving. II, 200-214.

[25] Dafür H. v. Schubert: Die Unterwerfung der Alamannen (Strassb. 1874) S. 67-89. Er wurde nach Cipolla dem König schriftlich zugesandt; s. darüber NA. IX, 244. XII, 205.

§ 5. Jordanis. [[←]]

Baehr S. 249-260. Teuffel § 477. Ebert S. 556-562. Dahn, A. D. B. XIV, 522-526. Rinaudo p. 31-36. Balzani p. 19-21. S. d. neuere Litt. zu § 4. Anstatt der älteren Ausgaben genügt es jetzt, die Ausgabe der MG. von Mommsen zu nennen, Berl. 1882, 4. (Auctorum antiquiss. V, 1.) Rec. von Schirren, Deutsche LZ. 1882, S. 1420-1424, von L. Erhardt, GGA. 1886, S. 669-708. Bemerkungen v. Manitius, NA. XIII, 212. 213. — Ausg. der Getica v. Holder 1882 mit selbständ. Benutzung d. Heidelb. Hs. 1882. 3. Ausg. v. Closs 1889. Emendationen v. Fröhner, Philologus, Suppl. V, 55 (1884). Uebers. v. W. Martens, 1884, Geschichtschr. 5 (VI, 1).

An jene Vertreter der antiken Bildung, welche Theoderich an seinem Hofe versammelte, reiht sich nun der erste und einzige gothische Schriftsteller, dessen Werke wir besitzen, Jordanis; denn so wird sein Name in den besten Handschriften geschrieben, mit so überwiegender Autorität, daß die durch Peutingers Ausgabe von 1515 gebräuchlich gewordene Form Jornandes sich dagegen nicht behaupten kann. Jakob Grimm freilich hat sie sehr nachdrücklich in Schutz genommen, und unmöglich ist es nicht, daß in der entscheidenden Stelle (Cap. 50) ursprünglich gestanden hat: Jordanis sive Jornandes. Dann wäre nach Grimms Vermuthung der kriegerischer lautende gothische Name Jornandes d. i. Eberkühn, beim Eintritt in den geistlichen Stand mit dem griechisch-römischen Namen Jordanis vertauscht worden[1]. Wie dem nun auch sein möge, sicher gestellt ist allein der letztere, durch das ganze Mittelalter gebräuchliche Name, den wir deshalb auch hier vorgezogen haben.

Jordanis rechnet sich selbst zum gothischen Volke[2]. Er stammte aus einem sehr angesehenen Geschlechte, das mit den Amalern verschwägert war; sein Großvater war Notar oder Kanzler des Alanenkönigs Candac in Mösien, er selbst ebenfalls Notar: leider wissen wir nicht wo und unter welchen Verhältnissen[3]; später ist er in den geistlichen Stand eingetreten. Seiner, wie es scheint, alanischen Abkunft entsprechend, zeigt er für dieses Volk eine deutliche Vorliebe[4], während er die Vandalen nicht leiden kann[5].

Die eigentliche grammatische Bildung der Schule war ihm fremd, wie er selbst sagt, doch konnte es ihm nicht schwer fallen, griechische und lateinische Schriftsteller zu lesen, und damit hat er sich denn auch, wohl besonders in der späteren Zeit seines Lebens, eifrig beschäftigt, wenn gleich die umfassende Belesenheit, welche seine Gothengeschichte zu zeigen scheint, nur als erborgtes Gut gelten kann.

Seine Schreibweise ist entstellt durch den gesuchten, sententiösen Charakter der Zeit, doch nur da, wo er seiner cassiodorischen Vorlage folgt; er selbst drückt sich ungeschickt und unbehülflich aus und klammert sich ängstlich an seine Quellen; die volle Barbarei der damals gewöhnlichen Schreibweise einer Bevölkerung, welche fast alles Gefühl für grammatische Formen verloren hatte, bis dahin nur aus den im Original uns erhaltenen Urkunden bekannt, ist nun auch bei ihm nach den ältesten und besten Handschriften hergestellt[6].