Verbunden mit diesen Annalen ist ein Anhang von 581 bis 624, welcher mit Unrecht von Brosien verdächtigt[16], von G. Monod in Schutz genommen ist[17], in Uebereinstimmung mit G. Kaufmann[18] und H. Hertzberg[19]. Nach letzterem ist der erste Theil desselben aus Isidor entnommen; der zweite ist original, erzählt in fließender Darstellung, und geht bald völlig in die fränkische Geschichte über. Dieser Anhang wäre benutzt in der Fortsetzung des Isidor bis 636 im Cod. Urbinas, und diese wieder in der Fortsetzung des Prosper bis 641. Vollständig aufgenommen ist er in der Fortsetzung des Isidor von 1017 (MG. SS. XIII, 261).
Im burgundischen Reiche ist ebenfalls schon in der ersten Hälfte des sechsten Jahrhunderts die Vita sanctorum abbatum Agaunensium (von St. Maurice im Wallis) geschrieben, welche W. Arndt nach einer Abschrift des Jesuiten P. Fr. Chifflet herausgegeben hat[20]. Ist hier nun auch der Text vielleicht etwas geglättet, so zeigt doch der ganze Periodenbau noch eine anspruchsvolle Schulbildung, und sowohl die halb in Prosa aufgelöste Grabschrift des Tranquillus c. 10, wie die Distichen auf Ambrosius c. 12 zeigen metrisches Verständniß[21], während die Verse auf Probus S. 3 geradezu jeder Metrik hohnsprechen. Demselben Jahrhundert gehört das Leben eines Einsiedlers an, des Hostianus, welcher ein Verwandter des Königs Sigismund war; geschichtliche Thatsachen sind aber nicht daraus zu entnehmen[22].
Nach Gregor versiecht im Frankenreich die geschichtliche Aufzeichnung der Begebenheit fast völlig, und nur in Burgund entstehen noch Schriften, welche uns über die folgenden Zeiten dürftige Kunde gewähren[23].
[1] Godefroy Kurth: Saint Grégoire de Tours et les études classiques au VI. siècle. Revue des questions historiques, Oct. 1878.
[2] Die darin von ihm erzählte Reise nach Rom ist erfunden, s. Monod p. 37. Als Verfasser ist von Ruinart ohne Grund der Abt Odo von Cluny genannt, ib. p. 25.
[3] J. Grimm, Ueber Jornandes S. 17, erklärt den letzten Namen für gothisch. Beide Namen kommen bei Ammian XXXI, 7 vor. Schirren, De Jord. p. 7, vermuthet in dem Profuturus ep. Braccarensis, an welchen Pabst Vigilius 538 schreibt, den Autor.
[4] Decedente atque immo potius pereunte ab urbibus Gallicanis liberalium cultura litterarum.
[5] Peritus dialectica in arte grammaticus.
[6] Libuit etiam animo, ut pro supputatione annorum ab ipso mundi principio libri primi poneretur initium.