Daher im frischen Blumenduft

Und mit dem sanften Weben

Der freien Luft,

Als wie aus tausend offnen Sinnen

Dich in sich ziehn, Natur, und ganz in dir zerrinnen.“

„Es ist schrecklich,“ entgegnete der Stadtschreiber.

„Meint Er das alamodische Carmen?“ entgegnete der Alte, den das gedrückte Wesen seines Schützlings reizte. Und plötzlich fuhr er auf: „Seh Er sich nach einem andern Schätzchen um. Was hat Er an dem kecken Ding? Ein hübsches Lärvchen und ein Spatzenseelchen, weiter nichts.“

„Sie werden sie verbrennen,“ seufzte Friedrich Lerch wieder.

„Hat Er’s aus hochmögendem Mund gehört, oder hat Er’s aus den Akten herausgefischt, daß die Frankenthaler noch jede Hexe verbrannt haben? Er ist ein gewissenhafter Mensch; deswegen sollte Er auch wissen, daß es noch viele andere hübsche Frauenzimmer in der Welt gibt. Ob Er nun hier oder sonstwo an eine Hexe gerät, ist gleich: denn Hexen sind sie alle. Ich bin in meinem Leben mindestens zehnmal verhext worden, aber durch die Gnade unseres Herrgotts immer heil und gesund davongekommen.“

Friedrich Lerch lächelte säuerlich, um seinem Gönner zu zeigen, daß er dessen Scherze verstehe und zu würdigen wisse; aber in Wirklichkeit war ihm wund und weh zumute: denn seit Babette im Hexenturm gefangen saß, quälte ihn die Frage, ob er ihr im Geist doch nicht unrecht getan habe, in einem fort, und die Erinnerung an die Stunden stummen Glücks, da er beim Surren des Spinnrades an ihrer Seite gesessen, erfüllte ihn mit quälender Sehnsucht.