Hubert.
Ich bin es, der Euer Majestät unendlich verpflichtet ist.

König Johann. Mein guter Freund, du hast noch keine Ursache das zu sagen—Aber du sollt bekommen—und so langsam die Zeit auch kriechen mag, so soll sie doch kommen, daß ich dir Gutes thun kan. Ich hatte dir was zu sagen—Aber, laß es gehen: Die Sonne ist am Himmel, und der stolze Tag, von den Freuden der Welt umgeben, ist zu üppig, zu voll von Lustbarkeiten, um mir Gehör zu geben. Wenn die mitternächtliche Gloke mit ihrer ehernen Zunge über die schlaftrunkne Geschöpfe der Nacht Eins erschallen liesse; wenn dieser Plaz wo wir stehn, ein Kirchhof wäre, und du vom Gefühl von tausend Beleidigungen besessen wärst; oder wenn der saure Geist der Melancholie dein Blut, das izt küzlend in deinen Adern auf- und ab rollt, so dik wie Leim gemacht hätte; oder wenn du sehen könntest ohne Augen, hören könntest ohne Ohren, und mir antworten ohne Zunge; wenn du, ohne Augen, ohne Ohren, ohne den beleidigenden Schall von Worten, durch blosse Gedanken mit mir reden könntest; denn wollt' ich, troz dem großaugichten wachtsamen Tag meine Gedanken in deinen Busen ausschütten—Aber so, will ich nicht—Und doch liebe ich dich sehr, und bey meiner Treue, ich denke, du liebest mich auch.

Hubert.
So sehr, daß ich, ich schwör es beym Himmel, alles unternehmen will,
was Euer Majestät mir befehlen kan, wenn gleich der Tod mit der
That verknüpft wäre.

König Johann. Weiß ich nicht, daß du es thun würdest? Guter Hubert, Hubert, Hubert, wirf dein Auge auf jenen Knaben; ich will dir was sagen, Freund; er ist eine rechte Schlange in meinem Wege, und wohin ich den Fuß sezen will, ligt er vor mir. Verstehst du mich? Du bist sein Hüter.

Hubert. Und ich will ihn so hüten, daß er Eu. Majestät nimmer in den Weg kommen soll.

König Johann.
Tod.

(leise.)

Hubert.
Gnädigster Herr.

König Johann.
Ein Grab.

Hubert.
Er soll nicht leben.