Angelo.
Ich lächelte bisher nur; aber nun, Gnädigster Herr, muß ich Euer
Durchlaucht bitten, mir Recht zu schaffen. Meine Geduld geht zu
Ende; ich sehe, daß diese armen einfältigen Weibsbilder nur die
Werkzeuge einer verborgnen und mächtigern Hand sind, die sie in
Bewegung sezt. Verstattet mir, Gnädigster Herr, daß ich mich
bemühe, auf den Grund dieses Complots zu kommen.

Herzog. Von Herzen gern, und die Schuldigen so hart als ihr wollt, abzustraffen. Du thörichter Mönch und du boshaftes Weibsbild, denkt ihr, eure Eydschwüre selbst, und wenn sie alle Heiligen persönlich herabschwören würden, wären ein hinlängliches Zeugniß gegen sein bewährtes und so lange festgeseztes Ansehen? Escalus, sezet euch mit meinem Vetter, und leihet ihm eure freundschaftliche Mühe, die Quelle dieser schändlichen Verläumdungen zu entdeken. Es ist noch ein andrer Mönch, der sie aufgestiftet hat; laßt ihn herbeyschaffen.

Peter. Ich wünschte, Gnädigster Herr, er wäre hier; denn in der That ist er derjenige, der diese Frauenzimmer aufgemuntert, diese Klagen anhängig zu machen. Euer Kerkermeister kennt den Ort, wo er sich aufhält, und kan ihn holen.

Herzog. Geht, thut es augenbliklich; und ihr, mein edler und würdiger Vetter, dem am meisten daran ligt, diese Sache genauer zu untersuchen, verfahret nach euerm Gutdünken in Bestrafung der Schuldigen. Ich will euch für eine Weile verlassen; aber bleibt ihr so lange zurük, bis ihr die Bosheit dieser Verläumder völlig zu Schanden gemacht habt.

(Er geht ab.)

Vierte Scene.

Escalus. Gnädigster Herr, wir wollen nichts ermangeln lassen. Herr Lucio, sagtet ihr nicht, ihr kennet diesen Frater Ludewig für einen Mann von schlechter Aufführung?

Lucio.
(Cucullus non facit Monachum;) es ist nichts ehrwürdig an ihm als
seine Kutte; er hat auf eine höchst infame Art von der Person des
Herzogs gesprochen.

Escalus.
Wir ersuchen euch, hier zu bleiben, bis er kommt, und ihn dessen zu
überweisen; es wird sich finden, daß dieser Mönch ein schlimmer
Vogel ist.

Lucio.
Als irgend einer in Wien, auf mein Wort.