Elisabeth.
Zu einem Aufzug trag'schen Ungestüms:
Der König, mein Gemahl, dein Sohn, ist tot.
Was blühn die Zweige, wenn der Stamm verging?
Was welkt das Laub nicht, dem sein Saft gebricht?
Wollt ihr noch leben? Jammert! Sterben? Eilt!
Daß unsre Seelen seiner nach sich schwingen,
Ihm folgend wie ergebne Untertanen
Zu einem neuen Reich der ew'gen Ruh'.

Herzogin.
Ach, so viel Teil hab ich an deinem Leiden
Als Anspruch sonst an deinem edlen Gatten.
Ich weint' um eines würd'gen Gatten Tod,
Und lebt' im Anblick seiner Ebenbilder;
Nun sind zwei Spiegel seiner hohen Züge
Zertrümmert durch den bösgesinnten Tod,
Mir bleibt zum Troste nur ein falsches Glas,
Worin ich meine Schmach mit Kummer sehe.
Zwar bist du Witwe, doch du bist auch Mutter,
Und deiner Kinder Trost ward dir gelassen:
Mir riß der Tod den Gatten aus den Armen
Und dann zwei Krücken aus den schwachen Händen,
Clarence und Eduard. Oh, wie hab ich Grund,
Da deins die Hälfte meines Leids nur ist,
Dein Wehgeschrei durch meins zu übertäuben!

Sohn.
Ach, Muhm', Ihr weintet nicht um unsern Vater:
Wie hülfen wir Euch mit verwandten Tränen?

Tochter.
Blieb unsre Waisennot doch unbeklagt;
Sei unbeweint auch Euer Witwengram.

Elisabeth.
O steht mir nicht mit Jammerklagen bei,
Ich bin nicht unfruchtbar, sie zu gebären.
In meine Augen strömen alle Quellen,
Daß ich, hinfort vom feuchten Mond regiert,
Die Welt in Tränenfülle mög' ertränken.
Ach, weh um meinen Gatten, meinen Eduard!

DieKinder.
Um unsern Vater, unsern teuern Clarence!

Herzogin.
Um beide, beide mein, Eduard und Clarence!

Elisabeth.
Wer war mein Halt als Eduard? Er ist hin.

DieKinder.
Wer unser Halt als Clarence? Er ist hin.

Herzogin.
Wer war mein Halt als sie? Und sie sind hin.