Die Vorschriften für die Entladung sind größtenteils schon in den Betrachtungen des [Kapitels 4] enthalten. Es sei daran erinnert, daß eine gewisse Stromstärke nicht überschritten werden darf. Dies ist besonders beim Experimentieren im Laboratorium etc. zu beachten. Ist man im Zweifel, wie stark der Strom bei einem Versuche wird, so muß man einen Rheostaten und ein Ampermeter mit einschalten, wie es in [Fig. 25] angedeutet ist. In dieser soll A den Apparat darstellen, dem Strom zugeführt wird, Amp. ein Ampermeter, W einen veränderlichen Widerstand, B die Batterie, Voltm. ein Voltmeter.

Die Frage, woran man erkennt, ob ein Akkumulator entladen ist, hat große praktische Bedeutung (man vergleiche die Bemerkungen auf [S. 102] und die Darlegungen über die [Erholung]). Weiß man nicht bestimmt, ob man einer Zelle noch Strom entnehmen darf, so verbindet man die Klemmen mit einem Voltmeter und läßt das Element den der dreistündigen Entladung entsprechenden Strom abgeben. Ist die Zelle erschöpft, so sinkt die Klemmenspannung in kurzer Zeit auf 1,8 Volt. — Dauert ein Versuch längere Zeit, so sollte stets ein Voltmeter mit den Klemmen des Elementes bezw. der Batterie verbunden sein (Schaltung s. [Fig. 25]).

Fig. 25.

Um zu prüfen, wie groß noch ungefähr die Elektrizitätsmenge ist, die man entnehmen darf, kann man das Aräometer benutzen. Kennt man die Säuredichte der Zelle in geladenem und entladenem Zustande, so kann man aus dem augenblicklichen spezifischen Gewichte einen Schluß über den Energieinhalt ziehen. Weiß man z. B., daß die Säuredichte des vollgeladenen Elementes 1,20 und diejenige der entladenen Zelle 1,16 ist, und findet man, daß das spezifische Gewicht den Wert 1,17 hat, so enthält der Akkumulator noch ungefähr 34 seiner Elektrizitätsmenge.

Elemente, die sehr selten oder nie ganz entladen werden, gehen in ihrer Kapazität zurück. Soll dies vermieden werden, so müssen die Zellen von Zeit zu Zeit, etwa alle 4-5 Wochen einmal, mit möglichst der garantierten Kapazität beansprucht werden. Diese Vorschrift ist besonders für solche von Wichtigkeit, die Anlagen in Schulen etc. zu beaufsichtigen haben.

Sulfatieren, Krümmen. Bei Batterien macht sich stärkere Sulfatierung in einer oder mehreren Zellen in der Weise bemerkbar, daß bei der gewöhnlichen anfänglichen Ladespannung nur ein schwacher Strom zustande kommt. Um die schadhafte Zelle herauszufinden, mißt man die Spannung der Elemente einzeln mittels eines Voltmeters für geringe Spannungen (Taschenvoltmeter bis 3 Volt); in stromlosem Zustande ist die Klemmenspannung der betreffenden Zelle sehr klein. Bei der Ladung kann in der kranken Zelle Gasentwicklung erfolgen, ohne daß ein chemischer Umsatz an den Platten erfolgt.

Bedeckt das kristallinische Bleisulfat noch nicht die ganze Oberfläche, oder ist es nur in sehr dünner zusammenhängender Schicht vorhanden, so gelingt es meistens, die Zelle unter Anwendung einer höheren Spannung (3-4 Volt) aufzuladen. (Im Laboratorium benutzt man am besten die Thermosäule; bei größeren Batterien kann man den Ladestrom den Schaltzellen entnehmen.) Während der Ladung schalte man ab und zu (etwa nach je 10 Minuten) eine Ruhepause (5-10 Minuten) ein ([S. 114]). Nach der ersten Ladung hat das Element noch nicht seine volle Kapazität. Man behandelt daher die Zelle in der früher angegebenen Weise.

Die Sulfatierung ist in der Regel mit einem Krümmen der Platten verbunden. Findet man, daß eine Platte die Neigung zum Werfen hat, so schiebt man zwischen sie und die benachbarte Platte Glasstäbe, so daß eine weitere Verringerung des Plattenabstandes nicht erfolgen kann, oder man drückt die Platte durch breite flache Hölzer, deren Dicke gleich dem Plattenabstand ist, gerade. Gelingt dies nicht, so ist die Platte durch eine neue zu ersetzen. Die Kölner Akkumulatoren-Werke schreiben vor, daß in Zellen, die dauernd zu arbeiten haben, Platten aus der letzten Schaltzelle kommen, also Platten, die gut durchgearbeitet sind, während die neuen Platten in die Schaltzellen eingesetzt werden.

Damit man beginnende Krümmung oder andere Fehler entdeckt, muß man von Zeit zu Zeit eine Revision sämtlicher Zellen vornehmen. Man bedient sich hierbei, besonders wenn es sich um große Zellen oder um Elemente in Holzkästen handelt, einer Ableuchtlampe, d. h. einer elektrischen Lampe mit Schutzkorb, Schutzglas, einer Schlauchleitung und einem Stöpsel für Wandkontakt[112].