Aus Leid und nicht aus Glück erbaut ist dieser Dom. Aus Schlucht und Schluchzen schöpft die Orgel ihre Fugen. Aus tiefer Demut kommen die goldenen Glocken.
Versteig dich nicht in deine Einsamkeit! Du wirst an zuviel Sonne blind, an zuviel Himmel wirst du irr! O Mensch, bleib deiner Menschheit treu!
Du hörst von Gipfel zu Gipfel säuseln die silberne Stimme der täglichen Ewigkeit. Doch ist es nicht dieselbe Stimme, wenn ein Mensch zum andern hinüberschreit?
VI.
GLETSCHER
FLORIAN:
Gletscher, du Einsamer, Einziger gegen den Sturm! Du nie Berauschter, nie Aufgetaner! Nie geschrieener Schrei! Im Sturz Erstarrter, Herber und Harter!
Männlicher Schmerz: Stumm in deinen Stolz gebeugt, steil in deinen Himmel gestemmt! Dunkles Genie, geizig über dein Leid gekrümmt wie die Buckligen. O nie schwingender Egoist; männlicher, heiliger Weltenschmerz!
STELLA:
Gletscher, ewige Mutter der Welt, deren Schoß das Blut der Liebe entquillt!
Überschwang, Überfluß, Überflut! Nie genug der Hände und Schreie und Küsse, zu lieben, zu lieben. Nicht genug der Wimpern zu weinen, zu schluchzen. Nicht genug der Arme, der klagenden, der flehenden, der umarmenden, nicht genug der Arme, zu umschlingen!