Ich aber hab euch nicht befreien dürfen! Ich war der Wahre nicht, den ihr brauchtet! Ich hatte Gott bezwungen, aber nicht die Menschen!
Ich hatte Gottes Lächeln bekämpft. Das wallende Gewand vor Abendhorizonten zurückgeschlagen. Mitternachtssonne blühte aus blauen Sternwäldern auf.
Doch warum hab ich nicht die Menschen so bekämpft! Das graue Profil steinerner Avenuen mit heißen Fackeln erleuchtet Dem Arbeiter aus haariger Brust das Herz herausgerissen! Das starre Frackhemd des gecken Tänzers zerrissen!
Warum bin ich nicht in die Dörfer gegangen, wo Bauern wie schwarze Schatten an der Erde kleben. Warum bin ich nicht hingegangen, ihnen zu rufen: — Es ist draußen Abend! Kommt, wir wollen uns in die Augen sehn!
Warum hab ich die Knaben nicht aus den Waisenhäusern gerettet, zwei zu zwei an der Hand, alle im gleichen runden weißen Kragen, und bin mit ihnen auf den Hügeln gekniet: — Dort oben sind die Sterne: Küßt euch!
Was bin ich nicht in die Kontore gekommen, wo Knirschen des Telephons, Zorn zugeschlagener Türen mich empfing. Ich hätte die Tippfräuleins auf die Straße geführt und geschrien: — In den Potsdamer Platz mündet die Milchstraße! Oh, steigt mit mir in diesen Omnibus: Wir fahren zum Himmel!
Ich war der Starke nicht, den ihr brauchtet. Ich flüchtete trotzig in die Einsamkeit Gottes. Ich spielte mit roten Vögeln. Behängte mich mit redenden Steinen. Ich bin’s nicht wert, heute euren zerklüfteten Leichnam zu küssen.
Ich bin’s nicht wert, heute noch von Liebe zu singen. Ihr hasset mich, weil ich nicht mit euch hasse. Ihr wehrt mich ab wie den steigenden Schatten der Sühne. Ihr Sterbenden, ihr laßt mich nicht in eure Schuld einziehn!
DER STREIK
Schwält noch gelber Schnaps in euren Mündern, giert noch Dirnenblut in euren Augen: Hinter euch sind Schmerz und Qual und Not!