„Und ich liebe Dich auch!“ sagte die unschuldige Maid, die nicht wußte, daß man unter[5] den Menschen gewöhnlich nicht sagt, was man denkt. —
„Aber sage nicht, mein Haar sei golden, Gold ist ja[6] so häßlich!“
„Häßlich?“ Der Königssohn lachte. „Das habe ich noch nie gehört? Hast Du denn so viel Gold gesehen, daß Du es häßlich findest?“
„Ach ja, ich sehe ja nichts als Gold, statt grüner Bäume nur Gold, statt Blumen Gold, statt Menschen Gold, solche Haufen!“ sie breitete ihre Arme aus und drehte sich um sich selbst. „O wie viel lieber[1] möchte ich auf dem schönen Tier sitzen! Ich habe noch nie ein Pferd gesehen, darf ich’s anrühren?“
„Ja, freilich, streicheln[2] sogar und zu mir heraufsteigen auch; Du sollst reiten, so lange Du willst!“
Er hieß[3] sie, ihren Fuß auf den seinigen stellen und beide Hände in die seinigen legen, so zog er sie vor sich auf den Sattel, schlang den Arm um sie und gab dem Pferd die Sporen. Er dachte, sie würde sich fürchten; das fiel der holden Unschuld aber gar nicht ein, denn sie kannte keine Gefahr. Sobald der Boden weich wurde, gab er die Zügel nach, und fort jagten sie, bald unter dem Waldesschatten, bald über blumige Wiesen.
Alba jauchzte, klatschte in die Hände und rief: „Schneller! noch schneller!“
So kamen sie in die Nähe der Stadt, die sie durchreiten mußten, um auf einen Hügel zum Königsschloß zu gelangen. Da wurde es[4] plötzlich der Maid bange:
„Sind das alles[5] Menschen?“ fragte sie, als sie im Schritt durch die Straßen ritten. „Und die kleinen Häuser bläst der Wind nicht um?“
„Nein!“ lachte Porfirie. „Hier weht der Wind nicht so, wie dort oben bei Euch!“