Am[4] Hofe war aber bald von nichts anderem mehr die Rede, als von den ungezählten Schätzen der jungen Königin, und viele trieben den König, sich dieselben in der Nähe zu betrachten. Ihm[5] war es nicht um die Schätze zu thun; er dachte nur daran,[6] sein junges Weib wieder lächeln zu sehen, und meinte, wenn er ihr die Sachen holte, die sie besessen, so werde sie fröhlich werden.

Sowie sie aber hörte, Porfirie beabsichtige nach ihrer Burg zurückzureiten, erschrak sie heftig und bat und beschwor ihn, das nicht zu thun! „Es wird Dein Tod sein, ganz gewiß!“

Er aber ließ[7] sich nicht bereden, und je[8] mehr sie ihm die Gefahr schilderte, die ihn dort erwarte, um so mehr reizte ihn eben diese Gefahr, und ganz heimlich machte er sich auf den Weg, als sie noch im tiefen Schlummer lag. Mit wenigen Begleitern sprengte er zur Burg von Baba Coaja hinan. Die aber sah ihn von weitem und rief ihm entgegen:

„Fluch über Dich, der Du mein Kind entführt hast, um es unglücklich zu machen! Da, sättige die Habgier, die Dich zu mir zurücktreibt, Du Unglücklicher! Ich habe nichts nach Dir gefragt, was[1] suchst Du mich?“

Mit diesen Worten schüttete sie Juwelen in endlosen Massen auf die Reiter nieder; die Edelsteine aber wurden in der Luft zu Eis und Schnee und wirbelten dergestalt,[2] daß die Unglücklichen sich nicht wehren konnten, und geblendet den Weg nicht mehr sahen. Die meisten stürzten in den Abgrund; der junge König aber, der im Rachedurst sich der Burg näherte, um die Alte zu erwürgen, ward dermaßen eingehüllt, daß er bald kein Glied mehr rühren konnte, und bevor er noch ein Wort hervorbrachte, war er tief unter dem Schnee begraben. Baba Coaja lachte hämisch und sagte: „Jetzt wird sie kommen, zu ihm, und nicht zu mir, aber sie kommt zu mir und nicht zu ihm! Ich habe[3] mein Kind wieder, das nicht in der bösen Welt bleiben soll, und unter den Menschen, die ich hasse!“

Und wirklich dauerte es nicht lange, da eilte Alba, vom Wandern matt, im weißen Samtkleide, daß vom Staube befleckt war, den Berg herauf.

„Wo, wo ist er?“ fragte sie mit blassen Lippen.

„So!“ sprach die Alte, „mir[4] bist Du entlaufen, mit einem fremden Mann, und kommst wieder und fragst nicht nach mir, sondern nach ihm? Er ist nicht hier!“ —

„Doch,[1] doch, ich fand seine Spur, bis zu dem Schnee dort!“

„Weiter kam er auch[2] nicht!“ lachte die Alte. „Er ist in Deinen Edelsteinen erstickt!“