Mit einem furchtbaren Schrei stürzte Alba auf die Schneefläche und begann mit ihren Händen sie wegzuscharren. Aber umsonst. Zu schwer lag die Decke, die den Geliebten verhüllte, zu fest war sie gefroren! Mit dem Ausruf: „O, Mutter! Mutter! Was hast Du mir gethan?“ fiel Alba tot neben Eis und Schnee hin. Baba Coaja stieß einen so furchtbaren Fluch aus, daß der Berg wankte, ihre Burg zusammenstürzte und sie samt ihrem Golde unter ihren Trümmern begrub. —
An der Stelle aber, wo die schöne Alba ihr Leben ausgehaucht hatte, keimte eine weiße Blume in weißem Samtkleide auf, die man seitdem „Alba Regina,“[3] zu deutsch „Edelweiß,“[4] genannt hat. Sie blüht nur dicht beim ewigen Schnee, der den Geliebten bedeckt, so weiß und rein, wie sie selber war. —
Vielleicht verwandelt sich der Schnee einstmals wieder in Edelsteine, wenn ihn eine unschuldsvolle Jungfrau betritt. —
Das Stück Goldfaden, das Alba gesponnen, sucht man noch immer, und jede Braut hofft, sie habe es erhascht; darum fürchtet sich keine vor den Goldfäden,[5] die so gefährlich sind, sondern jede glaubt, ihr sei das Glück beschert.
[IV]
Der Tschachlau
In der Moldau[1] steht ein mächtiger Berg, fast so hoch wie der Bucegi;[2] der heißt der Tschachlau; er erscheint sogar höher als der Bucegi, weil er ohne Vorberge gerade aus dem Thal emporsteigt und seinen schneegekrönten Gipfel leuchten läßt, als ein Wahrzeichen rumänischen Heldentums.
An einem Morgen, sehr frühe, stieg ein berühmter alter Bärenjäger mit leichten Schritten den Berg empor.
Mosch[3] Gloantza war weit und breit wegen seiner kühnen Jagden bekannt; er ging[4] sogar in die Höhle des Bären, mit einem brennenden Wachslicht am Ende des Büchsenlaufs und schoß den Baren tot. Ein guter Erzähler war er auch, Mosch Gloantza, der gern den jungen Leuten die Zeit vertrieb und von ihnen wohl gelitten war.
Jetzt kam er in einen dichten Nebel, den er aber bald durchschritten hatte, und über demselben schien die aufgehende Sonne auf eine enge Felsplatte und auf das lieblichste Bild, das sie nur[5] bescheinen konnte: eine Schar junger Mädchen war dort um ein Muttergottesbild[1] versammelt, das sie eifrig mit Kränzen und Blumen schmückten, während sie durch die weißen, wogenden Nebel von der ganzen Welt abgeschnitten waren.