Er war eben daran, seinen Jammer näher zu beschreiben, als durch die Hauptthüre der hochaufgeschossene Engländer mit seinem Rotkopf im Gefolge eintrat.

„Sankt Florian[18-1]
Zünd’t[18-2] Häuser an!“

sagte leise der zweite Tenor, auf den Rotkopf schauend. Die Mädchen hielten sich die Taschentücher vor den Mund, der Eheherr griff nach seinem roten Tyroler und steckte tief das Gesicht in das Glas. Nur die „Institutsvorsteherin“ und der Assessor hielten Balance[18-3] mit sicherm Takte. Der Engländer aber sagte in etwas englisiertem, aber sonst anständigem Deutsch:

„Ich haben[18-4] gehabt sehr großes Vergnügen in meinem Zimmer, zu hören solch schönes Gesang. Ich komme zu bitten, daß ich noch mehr höre.“

Er sagte das mit solch edlem Anstand, daß einer der Studios aufstand, ihm seinen Stuhl anzubieten und ihn einzuladen, wenn ihm die Gesellschaft behagte,[18-5] sich niederzulassen. Er stellte ihm alle vor und bat ihn dann ebenfalls zu sagen, „woher[18-6] des Landes, woher der Männer er sei.“[18-7]—„Sie sehen, ich bin Engländer, und James ist es auch, der gute alte Junge. Der Name ist nicht notwendig—nennen Sie mich Mr. Brown, und ich bin’s zufrieden,“ sagte er lächelnd. „Wir sind heute Mittag gekommen durch Salzkammergut—beautiful indeed—und konnten[18-8] nicht mehr weiter. Aber singen Sie, meine Herren, singen Sie, ich bitte.“—Schnell waren die Sänger zusammen, sprachen zuerst leise mit einander und setzten plötzlich kräftig ein in die Weise:

Treu[19-1] und herzinniglich,
Robin Adair!
Tausendmal grüß ich dich!
Robin Adair!
Hab’ ich doch[19-2] manche Nacht
Schlummerlos zugebracht,
Immer an dich gedacht,
Robin Adair!

Die Verse verklangen. Der Engländer war außer sich vor Freude, als er die heimische Weise klingen hörte. „Das ist beautiful—, aber wo haben Sie ein ähnliches deutsches Lied?“—Die Studios besannen sich.

„Nun, singen Sie: ‚Ännchen von Tharau’!“,[19-3] [E-1] sagte die „Institutsvorsteherin.“

„Richtig, los! eins, zwei, drei, ’Ännchen von Tharau’ ist’s die mir gefällt!“ rief der zweite Tenor. Sie sangen frisch herunter:

Ännchen von Tharau ist’s, die mir gefällt,
Sie ist mein Leben, mein Gut und mein Geld.
Ännchen von Tharau hat wieder ihr Herz
Auf mich gerichtet in Freud’ und in Schmerz.
Ännchen von Tharau, mein Reichtum, mein Gut!
Du, meine Seele, mein Fleisch und mein Blut.
Käm’ alles Wetter gleich auf uns zu schlahn,[19-4]
Wir sind gesinnt, bei einander zu stahn:
Krankheit, Verfolgung, Betrübnis und Pein
Soll unsrer Liebe Verknotigung sein ...