„Das ist ein schönes Volkslied, das müssen Sie mir geben. Aber was ist das „Verknotigung?““[20-1] [E-2]
„Ja, wissen Sie, das ist etwas besonderes. Zum Exempel, wenn ein Jüngling und eine Jungfrau sich so ein bißchen stark lieb haben, so ist das „Verknotigung“. Das kommt von dem Liebesband her, und wenn die zwei Bänder zusammenkommen und geknüpft werden, giebt’s allemal dort eine „Verknotigung“. ‚Der Ausdruck ist obsolet,’ sagt der Herr Professor auf seiner Hitsche[20-2]—aber er[20-3] ist gut, sehr gut,“ sagte der zweite Tenor.
„O, well, Sir—sehr gut! ich verstehen jetzt „Verknotigung“. Ich lieben sehr das Volkslied[20-4] der Deutschen.“
„Holla!“ rief der zweite Tenor, „das können Sie hier[20-5] haben, Mr. Brown, aus bester Quelle. Heda, ihr Mannsleut’, singt’s[20-6] einmal einen Steirer![20-7] Meint Ihr denn, wir singen umsonst hier? Jeder, wer zuhört, zahlt[20-8] einen Zwanziger Münz.[20-9] Wenn Ihr aber selber singt, braucht’s nix zu zahlen!“
Die Leute schauten sich verdutzt an, und keiner sagte ein Wort. Endlich brach der alte Führer das Schweigen:
„Wär’[20-10] schon völlig recht, junger Herr, aber wir Leut’ singen halt anders als d’ Stadtleut’ und könnet’s nit gar schön. Für uns is schon völlig schön genug, draußen auf der Almen—aber für Euch nit!“
„Ach was—Ihr singt wie’s[20-11] Euch ums Herz ist.“
„Habt Ihr denn keine Zither?“ fragte der Assessor.
„Freilich, freilich, a Zithern is schon da bein’n Tauernwirt. Johann, der gnädige Herr will dein Zithern haben,“ rief der Alte.
Der Tauernwirt brachte sie herbei, der Assessor stimmte mit kundiger Hand schnell das gute Instrument und spielte mit ungemeiner Fertigkeit einen „Herzog-Maxländler“[21-1] und dann einen „Steierischen“ in optima forma.[21-2]