„Beautiful indeed,“ sagte der Engländer. „Sie haben großes[27-24] Mut. Ich sehr lieben Italien.“

Die drei jungen Mädchen waren vor Vergnügen außer sich, also die[28-1] hatten Italien gesehen, während sie selbst in Venedig umkehren mußten! Die Frau kam ihnen nun doppelt interessant vor. Sie meinten zwar, man müßte es den Leuten immer am Gesicht ansehen, wenn sie in Italien gewesen,[28-2] aber Anneliese sah so rotbackig drein, und ließ es sich so vortrefflich schmecken, und sie merkten nicht das geringste Absonderliche. Nur daß der junge Eheherr ein Spaßvogel war, der in trockenster[28-3] Art mit dem fettesten Pinsel malte, das leuchtete ihnen ein.

Die Studenten aber ließen die Köpfe hängen. „Ach,“ sagte der zweite Tenor, „wenn unsereinem so etwas mal[28-4] in dem Garten[28-5] wüchse! Da lernt man seinen Horatius[28-6] und Virgil im finstern Loch[28-7] und sieht sein Leben[28-8] nichts davon,[28-9] nicht einmal einen Italiener, von nahem! Beatus ille!“[28-10]

Derweilen der Studio so klagte, stimmte der Assessor die Saiten und fing plötzlich mit schöner, tiefer Stimme das Lied zu singen an:

Kennst[28-11] du das Land, wo die Citronen blüh’n,
Im dunkeln Laub die Goldorangen glüh’n,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht?
Kennst du es wohl?[28-12]
Dahin! Dahin
Möcht’ ich mit dir, o mein Geliebter zieh’n!

Er sang so schön und herzergreifend, daß alles[28-13] stille ward.

„Waren Sie schon in Italien?“ fragte der Engländer.

„Ja, ich war schon da, vor[29-1] Jahren,“ sagte leise und ernst der Assessor. Er schnitt damit[29-2] aber jedes weitere Gespräch ab. Man merkte es ihm am Tone an, daß dort etwas von Bedeutung in seinem Leben geschehen sein mußte, womit er nicht herausrücken wollte.

„Sie haben das Lied so schön gesungen,“ sagte die „Vorsteherin“—„so schön wie ich es nur einstens von einer Freundin gehört. Aber merkwürdig ganz mit demselben Klange und derselben Auffassung. Es ist doch eigen, wie plötzlich Erinnerungen auftauchen, die sich an irgend ein Lied oder Wort oder einen Klang so unzerreißbar heften!“

„Und Ihre Freundin war auch in Italien?“ fragte der Assessor.