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[Vide ante, p. 376]

FRIEDERIKE BRUN

Chamouny beym Sonnenaufgange

(Nach Klopstock.)

'Aus tiefem Schatten des schweigenden Tannenhains
Erblick' ich bebend dich, Scheitel der Ewigkeit,
Blendenden Gipfel, von dessen Höhe
Ahndend mein Geist ins Unendliche schwebet!

'Wer senkte den Pfeiler tief in der Erde Schooss, 5
Der, seit Jahrtausenden, fest deine Masse stützt?
Wer thürmte hoch in des Aethers Wölbung
Mächtig und kühn dein umstrahltes Antlitz?

'Wer goss Euch hoch aus des ewigen Winters Reich,
O Zackenströme, mit Donnergetös' herab? 10
Und wer gebietet laut mit der Allmacht Stimme:
"Hier sollen ruhen die starrenden Wogen"?

'Wer zeichnet dort dem Morgensterne die Bahn?
Wen kränzt mit Blüthen des ewigen Frostes Saum?
Wem tönt in schrecklichen Harmonieen, 15
Wilder Arveiron, dein Wogengetümmel?

'Jehovah! Jehovah! Kracht's im berstenden Eis:
Lawinendonner rollen's die Kluft hinab:
Jehovah Rauscht's in den hellen Wipfeln,
Flüstert's an rieselnden Silberbächen.' 20