Paul fragte: „Du, Theodor?”

„Ja”, sagte Theodor, „geh nicht fort, ich bin in fünf Minuten bei dir.”

Theodor kam.

Er trug zum erstenmal nach langer Zeit wieder Zivil, daheim welkten die Windjacken. Pauls Einladung, sich zu setzen, lehnte er ab. Er stand im Dämmer des Winterabends, ein paar Schneesternchen glänzten noch und zergingen eilig auf den Schultern seines Mantels. Er hielt den Hut in der Hand — man hätte ihm ansehn können, daß er ihn lieber mit beiden Händen gehalten hätte. Gedemütigt, so in der Wohnung des Bruders. Paul war ihm fremder in der Mitte der fremden Möbel, zwischen den Wänden, die Paul, nur Paul gehörten. Es war nicht das Haus der Mutter, in dem Theodor immerhin das Gefühl, enterbt zu sein, genoß, eine erhabene Bitterkeit, die auch Besitzrechte verleiht. Ob er mir helfen wird? Bis zu dem Augenblick, in dem er an Pauls Türklingel gedrückt hatte, war er ohne einen genauen Plan herumgegangen. Es war ihm unmöglich gewesen, sich vorzustellen, was er zuerst sagen würde, was Paul antworten könnte. Nun wußte er nichts zu sagen. Jäher fiel die Dämmerung ins Zimmer. Paul machte kein Licht. Es war, als riefe er den dunkelnden Himmel gegen Theodor zu Hilfe.

Bevor es Nacht wird, sage ich es, dachte Theodor.

„Ich brauche mindestens zweitausend Dollar sofort!” sagte Theodor endlich.

„Ich habe sie nicht!”

„Ich muß heute nacht weg. Mit Gustav. Du kennst ihn nicht. Er hat was angestellt.”

„Was sagst du? Was hast du damit zu tun?”

„Du kannst mich der Polizei ausliefern, wenn du willst. Ich bin beteiligt!” Und weil es ihm plötzlich einfiel, daß Paul ihn für einen gemeinen Verbrecher halten könnte, sagte er hastig: