Er sah sie erstaunt an, blieb eine Weile sitzen, starrte sie unaufhörlich an, dann erhob er sich und ging.

— Es hat mir noch kein Mensch etwas befohlen, sagte er leise auf dem Wege. Kein Mensch. Ich wusste bis jetzt nicht, was gehorchen heißt, bis Du jetzt plötzlich sagtest: Komm! Und ich gehorche...

Er lachte boshaft auf.

— Und Du willst mir vorlügen, dass Du mich nur als Schwester liebst? Du liebst mich ja nur als Weib! Du hast ja nur gewartet auf das Wort: Ich liebe Dich! und gleich bist Du wie verwandelt. He, he: Du weißt jetzt, dass Du mir befehlen kannst, was Du früher nicht wagtest. Woher diese Instinkte, die nur ein liebendes Weib hat, woher dies feine Ohr für „ich liebe Dich“ und seine Konsequenzen? Warum lügst Du? Du sehnst Dich nach mir, Du hast dieselbe rasende Gier, Du... Du...

Sie blieb stehen und sah ihn wütend an.

— Wenn Du noch ein Wort sagst, geh’ ich weg.

Er lachte laut auf.

— Versuch’ es doch! Geh! Geh! Dir ist es ebenso unmöglich wegzugehen, wie mir... Oh, wie Du schön bist! Wie Dein Gesicht flackert!... He, he, he... Wo hab’ ich nur meine Schwester verloren?

Er schob seinen Arm unter ihren und presste ihn krampfhaft an sich.

— Ich muss Dich halten. Ich bin nicht sicher, ob Du am Ende doch nicht weggehst. Du bist grausam gegen Dich. Deine Seele hat wirklich nicht Qual genug, noch lange nicht genug. Du würdest in der Hölle glücklich werden. Und jetzt, jetzt quälst Du mich. Du möchtest mich auf die Folter spannen, damit Dir nur das Herz an meinen Qualen berstet. Oh je m’y connais: das ist die höchste Wollust, aber meine Nerven sind zu schwach dazu...