Und mit dieser metaphorischen Sehnsucht imprägnierte sie meine Seele; sie goss sie in jede Nervenfaser, sie schlug sie wie Grenzpflöcke in den Umfang meines Empfindens, und sie machte mich so krankhaft empfindlich, so mystisch verschämt und so maßlos zynisch.

Sie war es, die mich tränkte mit dem Ekel vor dem Geschlechtlichen, die den ersten Zerstörungskeim in die Verbindung zwischen meiner Seele und dem Geschlechte säete, die den Zwiespalt meiner physischen Hereditäten noch tiefer spaltete.

Immer empfand ich mich als den Bauern mit dem ausgesprochenen Rechtlichkeitssinn, der naiven Verschlagenheit, der Neigung zur ruhigen, freudelosen Beschaulichkeit, in der Jahrhunderte starren Protestantentums und mühevoller Arbeit lebten. Aber neben dem Bauern, der Jahrhunderte lang mit dem Ochsen zusammen am Pfluge zog, der seinen Rücken vor dem Schlossherrn beugte, dessen Füße platt und dessen Hände schwielig wurden, lebt da in mir der Aristokrat, dessen Ahnen von den Steppen des heiligen Irans in die europäischen Ebenen zogen und die Autochthonen sich dienstbar machten, — der Aristokrat mit der maßlosen Frechheit und prahlenden Verlogenheit der herrschenden Klasse, der Aristokrat mit der Treibhaushitze des Raffinements, das Jahrhunderte von Züchtung, Herrschaft, Üppigkeit und Nichtstun erzeugen.

Und so musste das Heterogene aneinanderprallen, so musste es Krieg geben. So mussten alle Willenshandlungen in mir sich paralysieren.

Niemals gab es in mir Liebe und Synthese.

Ich bin das Urbild aller Zentrifugalen, das Urbild der Auflösung und Zerstörung.

Ich bin die Walpurgisnacht am Hexensabbath der Entwickelung, das Mene Tekel, in dem sich meine Zeit in den letzten spasmatischen Zuckungen austobt.

In jede Nervenfaser drang dieser Zwiespalt hinein, in zwei parallele Nervenströme teilt er jede meiner Sensationen: jede immer Lust und Schmerz zugleich. Sie überfluten einander, sie wollen einander aufreiben, und immer ist die Schmerzempfindung die siegreiche.

Kaum empfinde ich das leise Prickeln eines Lustgefühls, schon höre ich das Klopfen und Hämmern des Schmerzes, und dann tut sich eine wahre Orgie auf, wo die Lust zum Wahnsinn wird unter den giftigen Bissen der Schmerzschlange, eine Orgie von wildem brünstigem Hengstgewieher und stillem, verbissenem, höhnisch grinsendem Lachen eines Janushauptes mit Lucifer– und Erzengel-Michael-Gesicht.

Und diese meine Degenerationserscheinungen werde ich jetzt zu Hilfe nehmen.