Seele, du meine starke Seele, die du Mir das Geschlecht auffraßest, wo bist du nun?
Wo bist du, Gehirn, — du armes, krankes Gehirn, das du mein Gott, mein Vater werden wolltest in dem Größenwahnsinn deiner Übermacht, wo bist du jetzt, — jetzt, wo du mich gekreuzigt hast, — wo hast du dich verkrochen? —
Wie ein roter, tauber Fleck ist die Sonne über dem Golgathaberge auf dem Himmel angeklebt, Trauerflor ringsum ...
Eli, eli, lama sabachthani ...
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Durch mein Fenster drängt sich eine Flut brünstiger Schwüle, zeugenden Rausches der Nacht, geiler Jünglingsstimmen, die auf den Straßen die Weibchen locken.
Ich sehe die Natur als eine apokalyptische Apotheose des ewig ragenden Phallus, der in maßlos roher Verschwendung Ströme von Samen über das All ergießt.
Auf meinem Tische steht ein Strauß von Blumen, deren ganzes Leben im Geschlechte gipfelt, die sich mit schamloser Unschuld dem befruchtenden Samen entgegenrecken.
Ich fühle die Wollustzuckungen des Schaffens, ich höre das stammelnde Liebesgeflüster der hermaphroditischen Erde, der heiligen männlichen Jungfrau, bräutlich umhüllt vom Schleier der Nacht.
Und wie reich er mit goldenen Keimen besät ist! wie tief und dunkel er ist! —