Aber über dieser Schamlosigkeit der Brünste, dieser Apokalypsis der Geschlechtlichkeit, diesem satanischen Evangelium der Sinnenlust —

hoch über Zeugung und Befruchtung, Vergehen und Auferstehen, Oxydation und Reduktion, thront Meine hehre, tiefe, majestätische Ruhe der Sterilität! — Die Natur erschöpft sich; sie spart schon. Sie kann sich nicht mehr verschwenden wie einst, als die wahnsinnige Pracht der fossilen Flora und Fauna noch keinen menschlichen Geist entzückte; sie arbeitet jetzt — wie die armen Erdenwürmer — menschlich, geizig, nach dem Prinzip des kleinsten Kraftmaßes.

Sie schafft keine Ichthyosauren mehr, keine Riesenmollusken, keine Stigmarien. Lächerliche, kleine, schwache Herdentiere schafft sie jetzt; sie erschöpft sich in den winzigen Bakterien, die ihre misslungenen Werke gnädig wieder auffressen, — und aus der Erde treibt sie kranke Blumen, in die der altersschwache Boden Giftstoffe liefert.

Über dieser Jämmerlichkeit, über dieser Sparsamkeit und philiströsen Décadence waltet frei, maßlos, verschwenderisch, übermenschlich-expansiv wie Gasgewölk Meine große, aristokratische Seele in ihrer Grandiosität der Unfruchtbarkeit.

Und so muss sie untergehen, weil sie zu groß und heilig geworden ist und zu königlich, um sich mit dem jämmerlichen, proletarischen Geschlecht zu assoziieren, das nur Kinder zu zeugen im Stande ist — nach dem Prinzip des kleinsten Kraftmaßes.

Über der ganzen Welt, über dieser lächerlichen Mühsal, neue Orgien der Brunst zu schaffen, sich in neuen Entwickelungsformen zu objektivieren,

über den brutalen Grausamkeiten des Geschlechts, das einen Menschen mit einer Gans paart,

über der verbrecherischen Gewissenlosigkeit der Gottnatur, die Wesen auf die Erde setzt zum Wahnsinn und zum Veitstanz einer rohen Spielerei von ewigen Evolutionen —

über all diesem thront Meine freie, ungeschlechtliche Seele mit ihrer Ruhe der anfangslosen Ewigkeit,

sie, die heilige besiegte Siegerin,