Und einmal abends, da quirlten wieder die Sumpfblasen brodelnd hoch und der Hollenbrodem kroch wieder an mein Herz. Mein Gehirn verstrickte sich noch fester, immer fester in die Schlingen der uralten, tückischen Sumpfpflanzen. Zu Zeiten sah ich nichts vor Augen, alles wirbelte und floss in braunen Nebelkreisen um mich; zu Zeiten hörte ich ein wildes Stöhnen in den Ohren, ein Gedröhne, als ob Blutgefäße, eines nach dem andern, im Gehirne platzten und das Blut sich über die graue Rindenschicht in alle Falten, alle Buchten ergösse.

Dann sah ich wieder den Weltenbrand im blutigen Widerschein des Himmels und das zerrissene Storchenweibchen auf der Wiese.

Jäh sprang ich auf.

Sie fuhr in wilder Angst empor.

Ich sah den schreckgelähmten Blick, ich sah die fahle Blässe ihres Gesichtes, mein Blick kroch in den ihren, ich sah eine schwarze, öde Leere, und dann hört’ ich einen Schrei in mir: Morde sie!

Es schrie so furchtbar, dass ich wie taub wurde; nur ein Empfinden blieb — ein Empfinden, wie wenn sich ungeheure Nebelkreise zu Riesenfäusten ballten, und dann fühlte ich ganz deutlich, wie der Willensimpuls auf meine Muskeln überging und ich beide Hände in die Höhe hob, wie zu einem Schlag, der alles zertrümmern, tief in die Erde einstampfen sollte.

Da plötzlich fühlte ich etwas leuchtend Nacktes, doch nicht in den Augen; es war rings um das Herz herum, kalt, gleißend, leuchtend. Es war nichts Leibliches, auch nichts von dieser Welt; es war, wie wenn sich etwas ungeheuer Weiches, Flüchtiges in mir mit etwas Verwandtem berührt hätte.

Ich fühlte sie.

Ich wurde plötzlich nüchtern, ich bebte und zitterte, meine Hände waren ausgestreckt und liefen wie im Fieber herum, ich sah ihre Gestalt deutlich aus den kreisenden Nebeln tauchen.

Noch stand sie da, aber jetzt spreizte sie die Arme auseinander, und mit höhnendem, zynischem Blick, mit spitzem Lachen schrie, kreischte sie mir zu: Ja, würge, würg’ mich doch!