Eine wahnsinnige Wut befuhr mich, ich packte sie mit eisernen Krallen, schleifte, riss sie durch das Atelier, und dann, mit heiserem Kreischen, das mir wie das Knirschen berstender Porzellanscherben in die Ohren kreilte, stieß ich sie wie einen Haufen Lumpen von mir.
Und da, da aus der Ecke da, traf mich aus den weit, stier aufgerissenen Augen ein Blick, der aus einer Hölle dumpf abgründiger Macht hervorgestoßen schien, ein Blick, in dem der ganze ekle, lauernde, heimtückische Hass der Sklavenohnmacht keuchte.
Und sie rächte sich. Ich wurde Zeuge, wie sie ihn, in meiner Gegenwart, brutal begehrte. Ich sah es, ich als Zeuge, und der Mann blutet in mir. Tropfen für Tropfen seh ich ihn mein Blut verlieren; ja, es rieselt, ja es tropft, das stolze Mannesblut. Und leiden ließ sie mich, leiden — nicht mich allein: eine ganze Menschheit in mir. Alle die Zuchtwahlsempfindungen, durch Millionen Jahre in mir angehäuft, durch endlose Wogen von Geschlechtern zu mir fortgeerbt, krümmen sich und zischeln und bäumen sich und schäumen vor Wut, wie wenn ein Riesenfuß auf sie getreten hätte.
O, das elende Weib, das eine ganze Menschheit zertrümmern darf!
Ja, sie rächt sich. Noch immer sehe ich die Sonne am verblutenden Himmel, und immer fühle ich sie um mich. Sie steht da hinter meinem Stuhl, sie beugt sich über mich mit grinsendem Hohngelächter, sie geht herum wie ein Gespenst auf leisen, bösen, unhörbaren Zehen. Ich höre sie draußen, ich seh’ sie in der Tür. Ich höre ihre Stimme, immer ist sie da. Dreh’ ich mich dann um, seh’ ich in die schwarze Leere, in die schwarze Hölle ihres Hasses.
VIII
Ich stehe auf der Straße. Um die Wurzel dieses in die Erde eingerammten Gaskandelabers spielen so seltsam gerippte, schwarze, eckige Schatten der Nacht.
Dir das Opfer, du neuer Gott: du Gott des Schweigens und der Nacht!
Ich stehe auf der Straße. Hinter dir, du krankes, schlankes Reh, schleicht fremder Schritte wankende Trunkenheit, und in meinem Ohr tost fernes, hohles Rädergeroll.
Da — vor mir, in endloser, unförmiger Masse, ein ungestaltes schwarzes Riesentier: der Gott meines Schattens, der Gott meines Schweigens.