— Nein, lass nur, lass; Du hast zu viel Ehrlichkeit im Leibe... Und wieder lächelte ich: die »Ehrlichkeit im Leibe« kam mir so bedeutsam und so trivial vor.
— Lass; es würde doch zu nichts führen. Ich werde allein mit meinem Kinde bleiben, vielleicht wird es mich lieben; ich war niemals geliebt, ich war immer allein.
Ich hatte boshafte Lust, sie zu quälen, ihr den Abschied ein klein bisschen schwer zu machen; aber dies Gefühl war so mit Selbstbedauerung vermischt, dass ich große Mühe hatte, nicht loszuheulen.
Sie machte Miene, sich um meinen Hals zu werfen.
Plötzlich verspürte ich etwas wie Ekel, wurde kühl und sehr freundlich.
— Du darfst nicht glauben, dass ich sehr leide, oh nein; ich habe Gehirn genug, um dich und mich und unser Verhältnis objektivieren zu können.
Jetzt fing ich an sehr müde und resigniert zu sprechen; ich suchte instinktiv einen starken Eindruck hervorzurufen.
— Nein, im Gegenteil; ich empfinde eine große, ästhetische Freude, wenn ich Euch beide ansehe. Ihr passt so wunderbar zusammen!
Sie weinte.
— Herrgott, so sei doch vernünftig; wir sind doch sozusagen freie Menschen, nicht wie Sklaven aneinander gebunden.